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Kreationismus im Biologieunterricht

geschrieben von Stefan 
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Kreationismus im Biologieunterricht
16. February 2006 10:05
hallo,
vor kurzem habe ich mal wieder eine zeitung gelesen. darin fand ich einige leserbriefe zu dem thema kreationismus im biologieunterricht. irgendein leher aus der gegend wollte wohl den kreationismus im biologieunterricht lehren und das gab ärger. jetzt hat sich ein streit entwickelt und in der zeitung streiten sich die leser. ist so ähnlich wie hier im forum. aus einigen leserbriefen ging hervor, dass wohl auch in deutschland ernsthaft darüber diskutiert wird ob hier der kreationismus in den biounterricht aufgenommen werden soll.

ich möchte von euch wissen was ihr darüber denkt. nicht eure meinung über die evolutionstheorie oder die schöpfung, sondern um die möglichen entwicklungen in schulen, universitäten und berufen. wenn in 50 jahren jeder davon ausgehen kann, dass es wirklich so war wie es die kreationisten sagen, müssen medizinstudenten dann auch theologie im nebenfach studieren, damit sie für krebspatienten beten können um deren heilung zu ermöglichen?
Wie lehrt man denn Kreationismus im Biologieunterricht?

"Herr Lehrer, wo kommen all die Tiere her?"
"Die hat der liebe Gott gemacht."
Ende der Stunde

Bei der Leistungskontrolle haben dann bestimmt alle eine Eins plus.

Grüsse

Grägar
Re: Kreationismus im Biologieunterricht
16. February 2006 11:07
so ähnlich wird es wohl sein. und was passiert wenn die hälfte der schüler davon ausgeht das wäre richtig? die forschung wird sich doch dann wandeln. die wissenschaftler würden versuchen andere fragen zu lösen - und die lösungen auf andere wege suchen.
kos
Re: Kreationismus im Biologieunterricht
16. February 2006 11:20
Was denn für Forschung? Sobald man was nicht weiß, schiebt man alles auf den lieben Gott und gut is.
Re: Kreationismus im Biologieunterricht
16. February 2006 11:25
dann würden die mediziner also eher auf die bibel und gott vertrauen als auf medikamente? so einfach können die sich das nicht machen.
kos
Re: Kreationismus im Biologieunterricht
16. February 2006 11:29
Na, ganz so schlimm ist es nun doch nicht.

Der menschliche Körper ist auch dann nicht weniger kompliziert, geheimnisvoll und faszinierend, wenn man ihn nicht für eine fortgeschrittenere Variante des Affenkörpers hält.

Medizinische Forschung ist also durchaus möglich: "Dann wollen wir doch mal sehen, wie Gott den Menschen so aufgebaut hat! Raffiniert, raffiniert; alle Achtung, der Herr!"

Und auch tierversuche sind dann noch möglich: "Das ist aber nett vom lieben Gott, dass er die Tiere so aufgebaut hat, dass sie auch dafür taugen. Allwissenheit ist schon eine schöne Sache."

Ich meine, wenn in zweihundert Jahren ein paar Technikgeschichtswissenschaftler feststellen, dass im Space Shuttle und dem Golf VI dieselben (korrigiere: die gleichen) Chipsätze zum Einsatz kamen, müssen sie ja auch nicht zwangsläufig annehmen, dass hier ein evolutionärer Prozess stattgefunden hat. Beim Menschen sagt man dann, man muss nicht jedesmal das Rad neu erfinden.

Warum sollte Gott also jedes Lebewesen von Grund auf neu und grundverschieden aufbauen? Nur um zu zeigen, was er so alles drauf hat?

Mal ehrlich: ich bin auch so schon echt beeindruckt. So was wie die Evolution muss man erst einmal hinkriegen: fire and forget. Wahnsinnstechnologie!

Grüsse

Grägar
Re: Kreationismus im Biologieunterricht
17. February 2006 13:12
Gregor Koch schrieb:
-------------------------------------------------------

> Ich meine, wenn in zweihundert Jahren ein paar
> Technikgeschichtswissenschaftler feststellen, dass
> im Space Shuttle und dem Golf VI dieselben
> (korrigiere: die gleichen) Chipsätze zum Einsatz
> kamen, müssen sie ja auch nicht zwangsläufig
> annehmen, dass hier ein evolutionärer Prozess
> stattgefunden hat.

Wenn sie schlau sind schon. Denn es hat in der Technik ein evolutionärer Prozess stattgefunden. Denn BEVOR bestimmte Bauteile in der Technik erfunden wurden, war ein Weiterdenken in richtung Raumfahrt gar nicht möglich. Oder haben sich die Uraffen hingesetzt und sofort einen Plan für ein Spaceshuttle gezeichnet?
Zuerst mussten eben Automobile geschaffen werden, damit überhaupt die Grundlagen existieren (z.B Treibstoffeinspritzpumpen) um Raketen und Raumfahrzeuge zu planen, geschweige denn zu bauen.
Die Kreationisten würden aber - um bei [b]Deiner[/b] Analogie zu bleiben - behaupten, Automobile und Raketen wären gleichzeitig entstanden und würden nicht aufeinander aufbauen, noch hätten sie überhaupt etwas miteinander zu tun.

---
gruß,
Alldaris


... und wenn am Ende alle Stricke reissen, dann häng ich mich auf!

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5-mal bearbeitet. Zuletzt am 17.02.06 13:22.
Hi Alldaris,

"... , noch hätten sie überhaupt etwas miteinander zu tun" ist nicht richtig.

Kreationisten gehen ja davon aus, dass beide vom selben Schöpfer abstammen. Bei Automobil und Spaceshuttle ist das der Mensch (als singulare tantum), bei Affe und Mensch eben Gott.

Insofern stützt Dein Beitrag die Kraetionistenthese: Der Mensch entwickelt erst das Auto und dann den Saceshuttle, aber das Spaceshuttle entwickelt sich nicht aus dem Auto, sondern aus dem Gehirn des Schöpfers.

Genauso stellen sich meiner Meinung nach die Kreationisten die Entstehung des Menschen vor:

Gott kommt auf die Idee, Leben zu schaffen. Er baut einen Einzeller, und der funktioniert. Dann schließt er sechzehn Einzeller in Reihe, und auch das funktioniert.

Jetzt wird er mutig und fängt an, Zellen auszudifferenzieren. Klappt auch. (Naja, vielleicht hat er bis hierhin auch schon jede Menge Ausschuss produziert).

Hat er zuerst Zellbestandteile kreiert (Vesikel, Mitochondrien, Membranen) und zu verschiedenen Zellen kombiniert, danach ganze Zellen zu verschiedenen Organen zusmmengebaut, kann er jetzt aus einem Reservoir verschiedener Organe unterschiedliche höhere Lebensformen basteln.

Ich sehe ihn geradezu an seiner Werkbank sitzen, mit Stirnleuchte, Brillenlupe, Pinzette und Modellklebver, neben sich ein Schubladenschränkchen mit Lebern, Nieren und Herzen in verschiedenen Grössen, in der Hand eine Kieme und höre ihn sagen:

"Kiemen, Kiemen, immer nur Kiemen; ich mach mal was für über Wasser!"

Also flott mit dem Skalpell die Kieme aufgeschnitten, ausgeräumt, Lungenbläschen rein, den Lötkolben genommen, zugelötet und - funktioniert!

Dann die ersten Saurier gebastelt, immer größer, immer mehr Schuppen auf dem Rücken und immer mehr Zähne im Maul, hier noch einen Stachel, da noch einen Keulenschwanz, Hautflügel dran, die ersten Versuche mit Federn, und dann:

"Dinos sind langweilig. Ich mach jetzt was ganz anderes."

Und zack! Alles auf der Werkbank ab in die Tonne, Platz schaffen für Vögel und Säugetiere. Alles wieder aus dem Schubladenkästchen, denn die Immer-neue-Organe-Phase hat er ja schon längst hinter sich.

Tja, und so gehts weiter - bis zum Affen. Was jetzt? Größer? Mit Schuppen auf dem Rücken? Hautflügel oder Federn? Nee, hatte er alles schon.

Lustlos dreht er den Affen in der Hand, schraubt ihn auf, nimmt ihn auseinaner und grübelt rum. Da kommt ihm die Idee: das Gehirn! Daraus läßt sich was machen!

Und zack! Affe, Menschenaffe, Affenmensch, Kultur!

Umweltzerstörung! Platz schaffen für die nächste Phase! Irgendwas muss doch noch gehen, oder?

Naja, und da für Gott hundert Jahre sind wie ein Tag und ein Tag wie hundert Jahre, hat er dass alles in Windeseile durchlebt, und wir denken an Äonen.

Was jetzt? Fürchten vor seinem nächsten Geistesblitz, oder hoffen, dass ihn seine Mama zu Tisch gerufen hat und wir eine Zeitlang alleine auf der Werkbank herumliegen?

Bin gespannt, welche Antwort der kreationistische Bio-Unterricht darauf hat.

Grüsse

Grägar
Re: Kreationismus im Biologieunterricht
17. February 2006 17:02
Ich glaube man muss da unterschieden, zwischen den konventionellen kreationistischen Theorien, und den neuen Ausuferungen ala "Inteligent Design":
Der klassische Kreationismus sagt: Der Mensch und alle Lebewesen auf der Welt wurden von Gott so geschaffen wie sie heute existieren.
Das ist die "Gott hat mit dem Finger geschnipst und alle waren da"-Theorie.
Zwischenformen werden grundsätzlch geleugnet, ebenso die von Dir so lustig dargestelle Vorgehensweise von Trial and Error. Denn Gott irrt nicht, und macht deshalb auch keine Fehler, die er anschliessend korrigieren müsste. Eine Fortentwicklung, ob nun in Selbstorgansisation oder in Gottes Kopp, wird generell abgestritten!

Inteligent Design, oder der moderne Kreationismus, ist eine Synthese, oder ein Kompromiss aus der Evolutionstheorie und dem Kreationismus. Denn die Mikroevolution wird von den modernen Kreationisten längst nicht mehr geleugtnet (wie könnten sie auch, angesichts des Erkenntnisgewinns in der modernen Gentechnik?).
Allerdings halten sie nach wie vor an der Vorstellung von einem göttlichen Plan fest.

Ich habe keine Lust mehr, all die Punkte und empirischen Tatsachen noch einmal aufzuzählen, die sich dieser Theorie entgegenstellen. Allein schon die Tatsache, dass noch niemand Gottes Schaffen beobachtet hat, geschweige denn, das plötzlich eine neue Art sozusagen "aus dem Nichts" erschienen wäre, macht das Ganze extrem unglaubwürdig. Ausserdem ist es meiner Ansicht nach ziemlich lächerlich ständig alle Vorgänge in der Natur einem Mann mit Rauschebart in die Schuhe zu schieben.
Spontane Mutation? Gott
Gendrift? Gott
Erbkrankheiten? Gott

Schulbücher? Gott?

Was soll das?

Und was ist mit z.B Gemüsesorten, die wir mithilfe der Gentechnik selbst erschaffen? Was ist mit der Forschung im Bereich der Züchtung, die schon seit Jahrzehnten immense Erfolge feiert?
Zumindest für die aus diesen Experimenten hervorgehenden Abkömmlinge (zugegeben, so entstehen bisher noch [b]keine[/b] neuen [i]Arten[/i]) kann Gott [b]nicht[/b] verantwortllich gemacht werden!
Aber irgendwer kommt dann sicher auf die Idee zu behaupten, Gott hätte uns beim Züchten die Hand geführt.
Naja... was soll's

Ich werde den Spiess jetzt einfach umdrehen
Ich sage, alle Lebewesen entwickeln sich evolutionär.
Meine Begründung? Mein Beweis?
Tja, G O T T . Das war Gottes Idee, und er hat es so eingerichtet. Gott hat nämlich irgendwann an seiner Werkbank gesessen, und ihm fiel nichts Neues mehr ein. Und da hat er sich gedacht: Mensch, ich bin ja blöd, ich lass die Viecher sich einfach selbst entwickeln, dann brauch ich mir darum keinen Kopp mehr machen.
Anschliessend fiel Gott in eine schwere Dpression, und hat sich selbst getötet. Seit dem läuft alles von selbst. Fertig. Und jetzt beweis mir, dass ich falsch liege.
Zusätzlich verlange ich jetzt, dass meine Theorie in die Schulbücher aufgenommen, und im Unterricht gelehrt wird.
SOFORT!
Und wenn ihr dem nicht zustimmt, dann beschimpfe ich Euch alle als Ignoranten!
[b]SO[/b] argumentieren (insbesondere) die (amerikanischen) Kreationisten.
Und das soll dann die Basis für die Forschung sein?
Na Hut ab....


Andere Theorie: Wir leben alle in Gottes Arsch, und immer wenn er furzt, bebt bei uns die Erde. Gott wolte das so. Beweis mir das Gegenteil! kannste nicht? Ab in die schulbücher damit!

Noch eine: Gott hat eine Maschine gebaut, die in bösartiger Absicht den ganzen Tag nichts anderes macht, als falsche kreationistische Ideen in die Köpfe der Menschen zu pflanzen. Die Machine kann man nicht sehen, weil Gott es so wollte. Aber sie ist da (weil Gott es so wollte), und das beweist, dass die Kreationisten falsch liegen (weil Gott es so wollte), und dehalb müssen wir diese Theorien verwerfen (weil Gott es so wollte). Beweis mir das Gegenteil. Kannste nicht?? Ab in die Schulbücher damit (weil Gott es so wollte)!

Und noch mal: Schwarz und weiss sind ein und das selbe, und die Kreationisten haben Recht und Unrecht zugleich. Warum? Weil Gott es so wollte, dass wir auf die Logik scheissen. Beweis mir das Gegenteil. Kannste nicht?? Ab in die... naja, Du weißt schon!

usw usw.... weil Gott es so wollte...

Soll ich noch mehr Schwachsinn aufzählen?



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gruß,
Alldaris


... und wenn am Ende alle Stricke reissen, dann häng ich mich auf!

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18-mal bearbeitet. Zuletzt am 17.02.06 17:58.