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fraktale und erziehung

geschrieben von Birgit 
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fraktale und erziehung
18. July 2006 15:25
ich möchte in meiner magisterarbeit untersuchen, ob es gemeinsamkeiten zwischen fraktalen und dem erziehungsprozess gibt.

gab es so ein thema schon mal oder weiss irgendjemand so spontan was ?

für ideen bin ich ganz ohr.

birgit
Peter
Re: fraktale und erziehung
25. July 2006 15:22
Also ich habe noch nichts von Fraktalen im Erziehungsprozess gehört. Irgendwie kann man da sicherlich einen Zusammenhang herstellen. So richtig plausibel scheint es mir jetzt auf den ersten Blick nicht - hast Du vielleicht ein paar Argumente? Wie bist Du denn auf die Idee gekommen?
ccm
Re: fraktale und erziehung
25. July 2006 16:27
Ich würde da auch eher bei der Chaostheorie als abstrakterem Modell beginnen. Da es dazu auch schon Veröffentlichungen im Hinblick zum Beispiel auf ökonomische Fragestellungen gibt, wirst Du es so deutlich leichter haben.
Re: fraktale und erziehung
02. August 2006 15:31
ich glaube - oder befürchte, dass noch niemand versucht hat, diese beiden themen miteinander zu verbinden.
aber sinn der magisterarbeit ist - laut meinem prof - das unmögliche zu versuchen.

so ein bischen haten wir schon überlegt.
bei fraktalen rechnet man mit dem ergebnis weiter - in der erziehung wird bei jedem schritt beim ergebnis des letzten schrittes angefangen.

selbstähnlichkeit. ( dabei sind wir noch nicht ganz sicher) in wieweit besteht eine gewisse selbstähnlichkeit / ähnlichkeit zwischen "elterneinheit" ( oder bestimmten eigenschaften, interessen, neigungen) und kind / kindern ?

so in der art haben wir uns das gedacht.
kann natürlich auch sein, dass wir zu dem ergebnis kommen - geht nicht. ( aber das ist dann ja auch ein ergebnis :) )

jetzt bin ich natürlich auf der suche nach allen charakteristischen merkmalen von fraktalen, um diese zusammenzufassen und dann zu schauen, ob es irgendwas ähnliches im erziehungsprozess gibt.

birgit
Neo
Re: fraktale und erziehung
15. September 2006 16:58
Hi,

> ich glaube [...] dass noch niemand
> versucht hat, diese beiden Themen miteinander zu
> verbinden.
Vielleicht hatte es einen Grund, dass es noch niemand versucht hat? Für mich scheint die Idee auf den ersten Blick abwegig und du hast noch keinen Grund genannt, welche Motivation du hast dich mit dieses Thema auseinanderzusetzen. OK, wenn es dir reicht, dass dein Professor damit zufrieden ist...
Also bei so einer Arbeit würde ich mich schon darum Kümmern, dass sie einen reellen Wert für mich hat. Schließlich definiert man sich durch das was man macht.


> jetzt bin ich natürlich auf der suche nach allen
> charakteristischen Merkmalen von Fraktalen, um
> diese zusammenzufassen und dann zu schauen, ob es
> irgendwas Ähnliches im Erziehungsprozess gibt.
Hast du die Themen etwa willkürlich ausgewählt?

> so ein bisschen hatten wir schon überlegt.
> bei Fraktalen rechnet man mit dem Ergebnis weiter
> - in der Erziehung wird bei jedem schritt beim
> Ergebnis des letzten Schrittes angefangen.
Also so viel ich weiß kann man Fraktale auch so beschreiben, dass man sich nicht auf das vorherige Ergebnis bezieht. Was du meinst hat wohl eher etwas mit rekursiven Funktionen oder möglicherweise mit Selbstverstärkung zu tun.

Eigenschaften wie die Selbstähnlichkeit oder Rekursion treten nicht nur bei Fraktalen auf, womit du durch Herstellung von Verbindungen zwischen diesen Eigenschaften und er Erziehung noch keine direkte Beziehung nachgewiesen hast.

> so in der art haben wir uns das gedacht.
> kann natürlich auch sein, dass wir zu dem Ergebnis
> kommen - geht nicht. ( aber das ist dann ja auch
> ein Ergebnis :) )
Ein Ergebnis hättest du auf jeden Fall. Aber ist dieses Ergebnis erstrebenswert?
General Error
Re: fraktale und erziehung
29. November 2006 15:24
Neo schrieb:
-------------------------------------------------------
> Also bei so einer Arbeit würde ich mich schon
> darum Kümmern, dass sie einen reellen Wert für
> mich hat. Schließlich definiert man sich durch das
> was man macht.

Soso, "man" definiert sich durch das, was man macht. Ersetze "man" durch "ich" und ich sage: OK. Sie mögen sich so definieren, die meisten anderen in unserer rationalen, aktions-besessenen Welt tun das ja auch. (Standardfrage in langweiligen Gesprächen: "Und, was machst du so?", oh wow, du bist Wirtschaftsberater/Jurist/Künstler/was auch immer. Aber sind Menschen mit "tollen" Berufen gleich "tolle" Menschen? Ich glaube, eher das Gegenteil trifft zu.)

Natürlich ist das, was man macht, Teil einer Persönlichkeit. Aber eine Persönlichkeit umfasst auch sehr viel mehr als das. Das, was man macht, ist oft auch einfach eine zufällige Notwendigkeit.


> Also so viel ich weiß kann man Fraktale auch so
> beschreiben, dass man sich nicht auf das vorherige
> Ergebnis bezieht.

Eines der Dinge, die Fraktale auszeichnen, ist gerade, dass sie eben nicht anders beschrieben werden können als durch iterative Berechnung. Nur lineare Gleichungen und bestimmte Spezialfälle besitzen eine analytisch erschöpfende Beschreibung.
Re: fraktale und erziehung
05. December 2006 08:53
also, dann melde ich mich auch mal wieder zu wort.

wichtig ist vielleicht, dass ich von der systemtheoretischen pädagogik, also auch deren definition von erziehung ausgehe. der mensch wird dort als sich selbstorganisierendes, nicht-triviales system angesehen. erziehung ist interaktion zwischen zwei solchen systemen. ( also selber auch ein dynamisches system)
es lassen sich durchaus gemeinsamkeiten zwischen fraktalen und dem erziehungsprozess finden und - meiner meinung nach - beweisen.
und ja, ich habe das thema freiwillig gewählt ( und im vollbesitz meiner geistigen kräfte)
einen reellen wert... eine sicherlich entspanntere betrachtungsweise der erziehung. und ein anschliessen an ein paar pädagogen und psychologen, die in die gleiche richtung gehen.

birgit
Re: fraktale und erziehung
05. December 2006 22:31
Hi
Irgendwo habe ich hier mal ein Beispiel gebracht, warum sich stabile dynamische
,meinetwegen auch erzieherische Systeme, von vielen Freiheitsgraden hin, vielen kleinen einfachen Objekten, zu komplexen Systemen mit wenigen Freiheitsgraden hin entwickeln muss.

Das 3 Koerperproblem ist hier ein Musterbeispiel.
Damit die Entstehung des Sonnensystems. Aus Staub.
Nichtlineare Systeme muessen also selbst immer einen evoulutionaeren Vorgang durchlaufen um Stabilitaet=Qualitaet zu erreichen.
Es ist gar nicht so gewagt dies auch auf erzieherische Systeme zu uebertragen.
Die Erziehung selbst muss einen evolutionaeren Vorgang darstellen.
Ueber alle Skalen. Das kann man sowohl zeitlich als auch in Skalen der Gesellschaft betrachten. Um dann zu der Erkenntnis zu gelangen, dass eine Erziehung einer kompletten Gesellschaft (Totalitaere Religionen) NICHT funktionieren kann. Erziehung muss aus vielen kleinen Zellen zu einer uebergeordneten Erziehung fuehren.
Diese kleinsten Zellen waeren wohl die Familien oder andere Formen dieser Art.
(Also recht konservative Erkenntnis)
Die zeitliche Komponente waere der Beitrag der Kultur.
Der Maßstab im Sonnensystem ist letztendlich dieses selbst. Seine Stabilitaet muss garantiert werden. Nicht die von Staubkoernern. Je groesser die Objekte werden, Planeten, desto wichtiger ist deren Stabilitaet fuer das Gesamtsystem. Faellt Mars aus seiner Umlaufbahn wird sicherlich das ganze Sonnensystem sich verabschieden.
Auf den Mensch bezogen ist also die gesamte Menschheit der Maßstab.
Je groesser die Untersysteme werden. Staaten, Kontinente, Religionen, desto
stabiler sollten diese sein um nicht alles zu gefaehrden.

Aber ich glaube das ist alles auch nichts Neues.
Hier koennte eventuell auch das zipfsche Gesetz zu Rate gezogen werden.
Zur Messung einer natuerlichen, von innen heraus gewachsenen Semantik.
(Das ware in der Tat etwas neues und gewagtes)
Waeren die Annahmen zutreffend, koennte man sogar die Skala bestimmen, bei der die Semantik gestoert ist.

ciao



6-mal bearbeitet. Zuletzt am 08.12.06 11:54.
Re: fraktale und erziehung
06. December 2006 02:02
BTW: Das waeren alles Aspekte aus der Chaostheorie. Wobei das Zipfsche Gesetz hier eher ein Schattendasein fuehrt. Frueher war das nur auf Linguistik beschraenkt. Inzwischen gibt es auch Messungen an Musikstuecken dazu.
*raeusper
Nicht zu vergessen meinen Beitrag zu Klassen von natuerlichen Zahlen.
Der recht deutlich zeigt, dass die Zipf Verteilung ein besonders harmonisches fraktales Maß darstellt.
Und hey mir ist gerade aufgefallen, dass man diesen neuen Informationsbegriff doch auch mal an der logistischen Gleichung anwenden koennte. Einfach indem man das Intervall 0..1 in Teilintervalle, Klassen einteilte und die Haeufigkeitsklassifizierung ermittelt ! Ueber den Parameter r. Ob es hier gewisse besonders harmonische Parameterwerte gibt. Wie die zum Ljapunovkoeffizient korreliert sind. Ist eher Chaos oder eher Ordnung harmonisch ? Oder etwas dazwischen ? Sicherlich das Dazwischen.
Waere auch schon etwas.
Soll man streng erziehen (ordnung) oder eher antiautoritaer (chaos) ?

Zurueck zu Erziehung und Fraktale.
Fraktale Objekte sind in sich selbstaehnlich.
Das heisst sie sind auf beliebigen Skalen aehnlich.
Du muesstest dir also zunaechst ueberlegen wie sich Erziehung auf verschiedenen Skalen ueberhaupt aeussert. Wie man das nennt. Und man kann da wie gesagt mindestens zwei Freiheitsgrade, Dimensionen unterscheiden. Eine raeumliche und eine zeitliche.

Beispiel rauemlich :
Familie, Freundeskreis, Schule (Vereine), Bildungssystem eines Staates, gesamtes Bildungssystem

zu jeder raeumlichen Skala gibt es auch einen zeitlichen Aspekt:
Dauer von Lern/Erziehungsphasen. Was ist hier optimal ?

Abgestuft in Skalen von Stunden, Jahre, Jahrzente

Man sieht hier bereits eine Korrelation.
gesamtes Bildungs/Erziehungssystem betrachtet ueber Stunden ist wenig sinnvoll.
Vielleicht Aktienkurse :-)

Dann gibt es wieder einen entscheidenden Grenzwert.
Wenn die zeitliche Skala ueber ein Menschenleben geht.
100 Jahre, 1000 Jahre ... Die Anfaenge der Erziehung
Das Bildungs/Erziehungswesen in seiner zeitlichen Entwicklung

Solche Langzeitskalen kann man aber auch wieder auf einzelne Induvidien beziehen.
Das meine ich mit dem Einfluss der Kultur. Die Erziehung jedes Einzelnen haengt mit der ganzen kulturellen Erfahrung des Umfeldes ab.
Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften bauen Stein auf Stein auf.
Grob koennte man so zunaechst ein 2 dimensionales naja Erzieh o Gramm :-)
erstellen. Dazu muesste man aber auch erstmal eine geeignetes quantitatives allgemeines Maß finden um Daten zu bewrten.

Und das waeren sehr exotische Daten, mit einem sehr exotischen Maß.

Die Auswertung nicht ueber rein statistische Methoden, sondern ueber fraktale Betrachtung, also ueber Skalen. Z.B. mit Hilfe der Zipf Verteilung.
Wobei man hier zuerst ein noch komplexeres "Harmonisierungsmaß" erarbeiten koennte.


ciao



5-mal bearbeitet. Zuletzt am 08.12.06 11:55.
Re: fraktale und erziehung
21. December 2006 09:13
Erziehogramm klingt gut :)
nur vom zipf'schen gesetz habe ich noch nie gehört. (muss wohl mal in der ub forschen)

Erziehung kann verstanden werden, als dynamischer prozess des erziehungssystems. im einfachsten fall 1 erzieher und 1 zu erziehender.
rückkopplung kann man nachweisen. man kann auch eine gleichung aufstellen. (wenn auch sicherlich stark vereinfacht) die regeln, nach denen mit einem eingangssignal verfahren wird sind die operationsregeln des erziehungssystems. diese haben einen nach aussen erkennbaren anteil und einen inneren anteil ( so ähnlich wie komplexe zahlen) die einzelnen operationsregeln werden zum großen teil von 3 variablen gebildet:
-aktueller systemzustand
-allgem. Zustand des bio.,psych.,soz. systems
-systemvergangenheit

die drei variablen haben jeweils einen anteil des zu erziehenden und einen anteil des erziehers. die drei variablen sind dynamisch und nichtlinar.

die rückkopplung (besser die menge der rückkopplungen zeitgleich + zeitverzögerte rückkopplung) machen das verhalten des systems nichtlinear.

...
irgendwie drängt sich die vermutung auf, dass das verhalten des erziehungssystems und somit die erziehung selbst einem seltsamen attraktor folgt. ( so weit bin ich aber noch nicht)