Willkommen! Anmelden Ein neues Profil erzeugen

Erweiterte Suche

Logos und Eros

geschrieben von Alldaris 
In diesem Forum können zur Zeit keine Beiträge verfasst werden. Bitte versuche es später noch einmal.
Logos und Eros
14. November 2006 16:50
[b]Logos und Eros,
Über das Verhältnis zweier Instanzen im Menschen.[/b]

Lasst uns ein Experiment machen:
Stellen wir uns einen Augenblick vor, der Mensch wäre eine Kiste, in der nichts existiert, ausser dem Eros (die Instinkt und Gefühlswelt).
So stell ich mir die Seele der Tiere vor. Ganz Instinkt, ganz Eros, ganz rein.
Nun findet Evolution statt, und um das Kleinhirn wächst das Großhirn, wir fügen also der Kiste den Logos hinzu.
Welche Aufgabe hat nun dieser Logos?
Da gibt es nun die Ansicht, Logos herrsche über den Eros.
Ich finde das nicht plausibel.
Schliesslich war der Eros zuerst da. Nach meiner Vorstellung hat der Logos also eine ganz andere Funktion:
Er soll die Fähigkeiten, die Bedürfnisse und Interessen des Eros nach aussen tragen, soll Schnittstelle sein, und Wege ersinnen den Eros zufrieden zu stellen.
Dazu benutzt Logos alle Fähigkeiten die ihm zur Verfügung stehen, also Erinnerung, logisches Kombinieren, rationales Denken, Sprache usw usw...

Das ist, denke ich, ein ziemlich anderes Konzept, als das, welches man mir plausibel machen möchte, nämlich das Logos (z.B. in Form der Vernunft) den Eros beherrscht und kontrolliert.
In meiner Vorstellung ist es genau umgekehrt.
So entsteht meine Vorstellung vom Menschen, der den (subjektiven) Interessen folgt.
Denn der Eros kennt zunächst kein wir, er kennt nur sich selbst und seine Bedürfnisse.

Nun hat aber der Logos auch noch eine andere wichtige Funktion. Er kann nämlich den Eros auf Bedürfnisse lenken und hinweisen, die jenseits seines selbst liegen, das heisst, er kann im Eros Bedürfnisse (Interessen) wecken.
Also z.B. durch das Lernen (durch Kommunikation, Beobachtung usw).
Wir erfahren von einem Freund, dass Orangen gut schmecken sollen.
Ohne den Logos wüsste der Eros gar nichts von Orangen (aber er hätte ein Bedürfnis: nämlich nach guter wohlschmeckender Nahrung).
So stiftet der Logos Interessen, ohne aber selbst zu entscheiden, welches der Angebote vom Eros angenommen wird.
Der Logos ist vielmehr Erfüllungsgehilfe, Anwalt und Lehrer des Eros.

Ist das nachvollziehbar?

---
gruß,
Alldaris


... und wenn am Ende alle Stricke reissen, dann häng ich mich auf!

Homepage: http://people.freenet.de/Sandy.dynalias.org/
Forum: http://30967-0.forum.alluwant.de/



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 14.11.06 16:51.
Mysvaleer
Re: Logos und Eros
15. November 2006 19:19
Hallo Alldaris,

diese Aufgabenverteilung sehe ich ganz ähnlich, aber nicht so unproblematisch wie du. Schwierig wird es nämlich, wenn der Logos zu der Erkenntnis kommt, dass die subjektiven Interessen des Eros durch dessen Präferenzen langfristig geschädigt werden. So verstehe ich beispielsweise das beliebte Gesetz des Karma nicht als göttliche Strafe, sondern als Ursache-Wirkungs-Prinzip. Vieles von dem, was als unmoralisches Verhalten gilt, fügt uns möglicherweise schweren Schaden zu. Wenn unser Eros auf die klugen Ratschläge unseres Logos nun nicht hören will, haben wir ein echtes Problem.

Deswegen hat die Unterordnung der Vernunft nur eingeschränkt praktische Folgen; sie erklärt nur Regeln für nichtig, die uns unschädliche Dinge verbieten oder unnütze Dinge fordern. Anderen zu helfen und weder zu stehlen noch andere zu verletzen, scheint mir aber sehr sinnvoll zu sein.
Re: Logos und Eros
20. December 2006 04:16
Mysvaleer schrieb:
-------------------------------------------------------

> Deswegen hat die Unterordnung der Vernunft nur
> eingeschränkt praktische Folgen; sie erklärt nur
> Regeln für nichtig, die uns unschädliche Dinge
> verbieten oder unnütze Dinge fordern. Anderen zu
> helfen und weder zu stehlen noch andere zu
> verletzen, scheint mir aber sehr sinnvoll zu sein.

Die Frage die ich mir aber nun weiter stelle ist auch gleich die zentrale Frage:
Warum erscheinen Dir solche Regeln sinnvoll?
Ist dies in der Einsicht begründet, dass eine solche Moral vernünftig ist, oder fordert der Eros seinerseits nicht verletzt und bestohlen zu werden und daruas ergibt sich per Abstraktion das Verständniss für den Anderen?
Ist eine Loslösung vom Eros, wie es die Vernunft fordert und die Vernunftkritiker behaupten, überhaupt machbar, oder eine geschickt eingefädelte Illusion?
Können wir mehr als rein subjektiv wollendes Individuum sein?
Fordert Abstraktion, also die Vorstellung davon was andere fühlen und wollen nicht ein gleichwertiges Gefühl im abstrahierenden Individuum?
Wer kontrolliert unsere Handlungen wirklich?
Die Vernunft?
Ich glaube das nicht. Sie ersinnt das 'wie' und 'wodurch', nicht das '[b]warum[/b]'. Sie ist sozusagen Erfüllungsgehilfe, nicht Entscheidungsträger.
Denn eines wurmt mich an der gängigen Vorstellung von Vernunft als Entscheidugsträger schon immer: Wie kommt es zu unterschiedlichen Auslegungen davon, was vernünftig ist, wenn doch

a) Jeder Mensch über Vernunft verfügt
b) Vernunft unbeeinflußt vom Eros im Menschen Entscheidungen fällen kann?

Müsste nicht das einfache Appelieren an die Vernunft stets und immer die gleichen Resultate bringen? Und warum tut es das ganz offensichtlich nicht?

---
gruß,
Alldaris


... und wenn am Ende alle Stricke reissen, dann häng ich mich auf!

Homepage: http://people.freenet.de/Sandy.dynalias.org/
Forum: http://30967-0.forum.alluwant.de/



3-mal bearbeitet. Zuletzt am 20.12.06 04:23.
Ich bin Prinz, mein Vater ist König!
Re: Logos und Eros
05. August 2007 15:26
Alldaris schrieb:
-------------------------------------------------------

> Sie ersinnt das 'wie' und
> 'wodurch', nicht das 'warum'. Sie ist sozusagen
> Erfüllungsgehilfe, nicht Entscheidungsträger.
> Denn eines wurmt mich an der gängigen Vorstellung
> von Vernunft als Entscheidugsträger schon immer:
> Wie kommt es zu unterschiedlichen Auslegungen
> davon, was vernünftig ist, wenn doch
>
> a) Jeder Mensch über Vernunft verfügt
> b) Vernunft unbeeinflußt vom Eros im Menschen
> Entscheidungen fällen kann?
>
> Müsste nicht das einfache Appelieren an die
> Vernunft stets und immer die gleichen Resultate
> bringen? Und warum tut es das ganz offensichtlich
> nicht?



Das ist ganz klar: Jeder Mensch ist individuell, jedermanns Vernunft wird anders geprägt! Ich muss das noch ein wenig ausführen:

stell dir mal einen Strich vor, ungefähr so einen, nur länger: (
Was ist das? - ein Strich, klar aber was für einer?

Ich denke, es wird klar, wenn ich fortfahre...
stell dir einen zweiten Strich vor, der sollte ungefähr so aussehen: |
Was ist das? - es ist ein gerader strich, und damit ist nun auch klar, dass das vorhin ein krummer Strich war!

Deine Vernunft, was nun der gerade Strich symbolisieren soll, sagt dir, dass etwas krumm war, doch ist die Vernunft wirklich das Maß der Dinge?

sehen wir uns doch einmal etwas in der Geschichte um - ich mag Geschichte - wir haben im 19. Jahrhundert eine Vernunft, die dir gesagt, dass du dich als Frau bis obenhin zuzuschnüren hast. Heute, im 21.Jahrhundert ist da eine andere Vernunft, die sieht das nicht mehr so eng --> es ist eigentlich egal, wie du dich als Frau kleidest, kannst sogar im FKK-Bereich nackig rumliegen, das stört niemanden!

Ein weiteres Beispiel:
Hitler fand bestimmt durchaus vernünftig, was mit den Juden seiner Zeit angestellt wurde - wir heutzutage haben aber gelernt: Hitlers Vernunft war Wahnsinn! Wir haben es Eingetrichtert bekommen, und erachten unsere Ansicht nun als vernünftig.(mit Ausnahme von Neonazis usw.)

Vernunft ist also immer Definitionssache - mal so, mal so. Das heißt, es gibt keine einheitliche Vernunft, die Frage ist also, was soll statt der Vernunft der "Gerade Strich" sein, nach dem wir uns richten, gewissermaßen unsere Richtschnur?
Gesetze? - Selbst Gesetze werden im Laufe der Zeit verändert, auch die Schriften des Buddhismus/Hinduismus wurden ständig erweitert, wenn ich mich recht entsinne.

Nun, ich muss sagen, ich habe meine Richtschnur schon längst gefunden... Ich bin in einer Christlichen Familie aufgewachsen, das hat mich gewissermaßen geprägt,
Meine Vernunft prägt aber immer noch das Wort Gottes, und ich erachte das, was in der Bibel steht für wahr - ohne Ausnahme.

Das schöne an der Bibel ist, das ich mich nach etwas richten kann, das sich schon seit ~2000 Jahren nicht verändert hat, und das nicht mehr erweitert wird - lies Offenbarung 22,18+19:
"Ich bezeuge allen, die da hören die Worte der Weissagung in diesem Buch: Wenn jemand etwas hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, die in diesem Buch geschrieben stehen. Und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buchs dieser Weissagung, so wird Gott ihm seinen Anteil wegnehmen am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt, von denen in diesem Buch geschrieben steht."


bzgl. der Frage wer herrscht über wen - Logos vs Eros:
Hast du dir schon einmal überlegt, dass weder Logos noch Eros zuerst entstanden sein könnten, sondern alle beide gleichzeitig mit der Erschaffung des Menschen? Damit kann man auch ganz leicht die Frage lösen: sie herrschen ganz einfach gemeinsam über den Menschen!

Es stimmt übrigens nicht, dass die Evolutionsanschauung absolut ist! bisher ist sie vielmehr relativ, ausgehend vom Standpunkt des Betrachters!Ich könnte euch ein paar Argumente geben, aber das ist leider ein anderes Thema...
Re: Logos und Eros
23. April 2008 22:44
Heyho.
Ich denke, es ist eher eine Art Shizophrenie.
EROS und LOGOS sind zwei vollkommen verschiedene Persönlichkeiten, die im Menschen eingefasst sind. Die Persönlichkeit, deren Bedürfnis nach einer Sache am meisten überwiegt, gewinnt. Sie entscheidet für den Moment. So trägt man einen andauernden inneren Konflikt aus. Kein Teil beherrscht den anderen, sondern übersetzt vielmehr die von ihm wahrgenommene Umgebung in die Sprache der jeweiligen anderen Persönlichkeit.
So bleibt unser Denken flexibel und entscheidet, bei den meisten jedesmal auf's neue, was notwendig ist und was weniger.

Es geht nicht um richtig oder falsch, sondern darum, sein eigenes Tun nachvollziehen und vor sich selbst verantworten zu können.