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Phillipa Foot - Die Natur des Guten

geschrieben von Alldaris 
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kos
Re: Phillipa Foot - Die Natur des Guten
10. March 2006 19:16
Noch ein paar Worte zum Tierschutz: Gerade kann man beobachten, wie ganze Hühnerställe abgeschlachtet werden, um die Ausbreitung eines Viruses zu verhindern, der für Menschen gefährlich werden könnte. Tierschutz spielt hier anscheinend keine Rolle, da der Mensch bedroht wird.
Echter Altruismus und Selbsterhaltungstrieb sind meiner Meinung nach nicht vereinbar, woraus folgt, dass Individuume mit diesem Trieb zum Altruismus gar nicht fähig sind. Abarten davon, sozusagen schwache Echos, kann man beobachten, solange dem Selbsterhaltungstrieb nicht direkt widersprochen wird.
Anscheinend gibt es allerdings Ausnahmen, aber die Gründe dafür lassen sich meistens auch woanders finden, so dass diese Ausnahmen nicht mit letzter Sicherheit dem Altruismus zugeschrieben werden können.
Re: Phillipa Foot - Die Natur des Guten
11. March 2006 10:14
> > Wird nach solcher Logik
> > argumentiert, so kann man genausogut sagen,
> > Altruismus zugunsten anderer Spezies sei
> ebenfalls
> > egoistisch, da die verschiedenen Arten im
> Rahmen
> > des ökologischen Gleichgewichts und der
> > Nahrungskette aufeinander angewiesen sind und
> der
> > Fortbestand anderer Arten so auch der eigenen
> Art
> > dient.
>
> So könnte man höchstens beim Menschen
> argumentieren, beim Tier jedoch nicht, weil davon
> auszugehen ist, dass Tieren diese Zusammenhänge
> (ökologisches Gleichgewicht) nicht bewusst sind.

Das war eine Antwort auf das Argument von kos, der meinte, dass nur zwischenartlicher Altruismus "echt" ist, weil innerartlicher der Erhaltung des Genpools dient und insofern (art)egoistisch ist. Aber der Wert des Genpools ist dem Tier ebensowenig bewusst wie der Sinn ökologischen Gleichgewichts, also lässt sich der Altruismus so nicht abschmettern.

> Der Mensch hat
> eben inzwischen verstanden, dass er bei Schutz der
> Umwelt (Flora und Fauna) letztendlich auch sich
> selber schützt.
> Tierschutz wird heute in viel höherem Maße
> betrieben als noch vor hundert Jahren, was
> proportional mit der Verbreitung der Erkenntnis
> zusammenhängt, dass wir ohne diese Maßnahmen uns
> leztendlich den Ast absägen, auf dem wir selber
> sitzen.

Was du hier meinst, ist Artenschutz, der auf Biodiversität zielt. Ich meinte Tierschutz, der vorwiegend einzelnen Individuen von Arten zugute kommt, die als Arten keineswegs bedroht sind. Diese Individuen tierschutzgemäss zu behandeln bzw. Verstösse strafrechtlich zu ahnden, ist für den Menschen ein reiner Stör- und Kostenfaktor. Es behindert die Forschung, weil bestimmte Tierversuche nicht mehr möglich oder genehmigungspflichtig sind. Was hat homo sapiens davon, sich so zu behindern?
Re: Phillipa Foot - Die Natur des Guten
11. March 2006 10:32
kos schrieb:
-------------------------------------------------------
> Noch ein paar Worte zum Tierschutz: Gerade kann
> man beobachten, wie ganze Hühnerställe
> abgeschlachtet werden, um die Ausbreitung eines
> Viruses zu verhindern, der für Menschen gefährlich
> werden könnte. Tierschutz spielt hier anscheinend
> keine Rolle, da der Mensch bedroht wird.

Die Hühner wären ohnehin früher oder später geschlachtet worden. Klar, dass für homo sapiens das Ueberleben von Artgenossen im Krisenfall Vorrang hat. Auch wird Tierschutz oft nicht beachtet, und bei Schlachtvieh und Geflügel am allerwenigsten. Es geht hier nicht um einen voll ausgebildeten, bis zur letzten Konsequenz durchgezogenen Tierschutz etwa im Sinne der modernen Tierrechtsidee. Wichtig für diese Argumentation ist nur, dass sich in bestimmten Erscheinungsformen des Tierschutzes ein altruistischer Impuls zeigt. Dass dieser oft (nicht immer) schwach ist und anderen Impulsen unterliegt, widerlegt nicht seine Existenz.

> Echter Altruismus und Selbsterhaltungstrieb sind
> meiner Meinung nach nicht vereinbar, woraus folgt,
> dass Individuume mit diesem Trieb zum Altruismus
> gar nicht fähig sind. Abarten davon, sozusagen
> schwache Echos, kann man beobachten, solange dem
> Selbsterhaltungstrieb nicht direkt widersprochen
> wird.

Hier kommt es auf die Definition von "echter Altruismus" an. Man kann die Definition so eng wählen und mit so viel Auflagen und Bedingungen versehen, dass sie am Ende für nichts mehr passt. Tatsächlich kann der Altruismus mit dem Selbsterhaltungstrieb in Konflikt kommen, aber das widerlegt nicht seine Existenz, denn Konflikte zwischen verschiedenen Trieben in demselben Individuum sind ganz normal. Beispielsweise gerät der Fortpflanzungstrieb mit dem Selbsterhaltungstrieb in Konflikt, indem viele Tiere in der Paarungszeit leichtsinnig werden und dann erbeutet werden. Ueberwiegen des Altruismus gegenüber dem Selbsterhaltungstrieb ist in der Tierwelt vielfach nachgewiesen.


> Anscheinend gibt es allerdings Ausnahmen, aber die
> Gründe dafür lassen sich meistens auch woanders
> finden, so dass diese Ausnahmen nicht mit letzter
> Sicherheit dem Altruismus zugeschrieben werden
> können.

Darüber ist im Einzelfall zu diskutieren. Man sollte nur beachten: Weil es für Verhaltensweisen meist verschiedene Erklärungsmöglichkeiten gibt, kann man leicht ein Phänomen wegerklären, indem man in jedem Einzelfall auf eine andere Erklärungsoption zurückgreift.
Re: Phillipa Foot - Die Natur des Guten
11. March 2006 10:33
nwabueze schrieb:
-------------------------------------------------------

> Was du hier meinst, ist Artenschutz, der auf
> Biodiversität zielt. Ich meinte Tierschutz, der
> vorwiegend einzelnen Individuen von Arten zugute
> kommt, die als Arten keineswegs bedroht sind.
> Diese Individuen tierschutzgemäss zu behandeln
> bzw. Verstösse strafrechtlich zu ahnden, ist für
> den Menschen ein reiner Stör- und Kostenfaktor. Es
> behindert die Forschung, weil bestimmte
> Tierversuche nicht mehr möglich oder
> genehmigungspflichtig sind. Was hat homo sapiens
> davon, sich so zu behindern?

Steigerung des Selbstwertgefühls?
Revolte gegen die eigene barbarische Natur des Menschen und Natur an sich?
Es gibt Individuen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben alles nur erdenkliche Leid aus der Umwelt zu tilgen. Einzig und allein aus dem Grund, weil sie glauben, dass es ihnen danch besser gehen würde.
Sie ertragen das leid in der Welt nicht, es bereitet ihnen seelischen Schmerz.
Bei der Beseitigung der Ursachen dieses Schmerzes geht es ihnen aber nicht um das Leid an sich , sondern darum, das der eigene Schmerz beendet werde.




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gruß,
Alldaris


... und wenn am Ende alle Stricke reissen, dann häng ich mich auf!

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3-mal bearbeitet. Zuletzt am 11.03.06 10:40.
Re: Motivation
11. March 2006 11:03
Alldaris schrieb:

> Noch treffender, und überaus lehrreich in Bezug
> auf dieses Thema, fand ich allerdings das Werk Max
> Stirners (Der Einzige und sein Eigentum).
> Stirner übertreibt maßlos. Aber er stellt auch
> glänzend herraus, dass das christliche Ideal der
> Nächstenliebe ebenfalls maßlos übertrieben ist!

Das würde Stirner, dem Konsequenz über alles ging, gar nicht gefallen. Das, was an ihm bedeutend ist, ist gerade das, was man Uebertreibung zu nennen pflegt. In dieser "Uebertreibung" liegt seine Grösse und seine Botschaft. Ein gemässigter Stirner ist keiner, ist ein Nichts. Wenn das Subjekt, das der Welt auf gleicher Augenhöhe entgegentritt, plötzlich vor dem eigenen Mut erschrickt - was bleibt dann zurück als ein armes, aufgeblasenes Ich? Wenn versucht wird, dem introvertiertesten der europäischen Philosophen mit den Mitteln extravertierten Denkens zu begegnen, kommt das Urteil "Uebertreibung" heraus. Vom extravertierten Standpunkt aus stimmt das auch - nur gehört dieses Denken und dieses Urteil einer Welt an, die mit derjenigen, die Stirner meint, inkommensurabel ist.

> Nun, guter Wille wird heute oftmals gleichgesetzt
> mit Altruimus, der Egoismus - den ich, wie Du so
> treffend bemerkt hast für die Wurzel des
> Altruismus halte - ist gleichbedeutend mit dem
> Gegenteil des guten Willens.
> Hier wird also die Motivation, die einen Menschen
> antreibt, zum Maßstab für die Güte seines Denkens
> und Handelns auserkoren, auf der Grundlage
> christlicher Werte.
> Wie ist es noch möglich, den Altruismus mit einer
> selbstlosen Motivation zu verwechseln, wenn doch
> klar ist, dass beide Einstellungen letztlich auf
> der selben Sache beruhen - Dem Eigeninteresse?

Der "selbstlose" Altruismus, gegen den du ankämpfst, ist in der Tat die umgedrehte Variante des Egoismus. Statt "Ihr seid nichts, ich bin alles" mal zur Abwechslung "ich bin nichts, ihr seid alles". Wenn das Ich begreift, wie absurd die Idee seiner Separatheit ist, so kann es über beide Standpunkte gleichermassen lachen. Das wäre ein markanter Erkenntnisfortschritt. Ayya Khema hat das mal schön auf den Punkt gebracht mit ihrem Buchtitel "Ohne mich ist das Leben ganz einfach". Das konnte sie nur als Praktikerin so formulieren. Da kann ich nur sagen: That's it.

> > Ich
> > verweise in diesem Zusammenhang auf die
> > Beobachtungen von Vitus Dröscher zum
> Altruismus in
> > der Tierwelt.
>
> Ich gebe zu, auch mir sind solche Fälle bekannt.
> Neulich erst gab es eine Dokumentation über
> altruistisches Verhalten in der Tierwelt.
> Unter anderem macht die Wissenschaftler besonders
> stutzig, dass es ganz offensichtlich sogar
> altruistische Neigungen gibt, die sich über die
> Gattungsgrenzen hinaus darstellen.

Die Konzepte "Art" bzw. "Gattung" und "Artgrenze" sind menschliche Einteilungskriterien. Aus der subjektiven Perspektive des Tier-Individuums stellen sich "Art" und "Artgrenze" anders dar als aus der des klassifizierenden Zoologen. In gewissen Fällen und Hinsichten existiert für das Tier so etwas wie "meine Art" nicht oder ist irrelevant.

Daher ist Altruismus über die Artgrenzen hinweg gar nicht so merkwürdig und sensationell, wie er dem Denken des darwinistisch geschulten Zoologen oder Verhaltensforschers erscheint. Bekanntlich sind Tiere hinsichtlich ihrer individuellen Freundschaften und Feindschaften nicht an Artgrenzen gebunden. Dazu gibt es eine riesige Fülle von Beobachtungen, sowohl auf dem Gebiet der Loyalitätsverhältnisse zwischen Mensch und Haustier als auch bei Individuen anderer Arten untereinander. Manche betrachten jeden Artgenossen, der ihnen begegnet, als Todfeind (abgesehen von einer Ausnahme während der Paarungszeit), während sie anderen Arten eher neutral begegnen. Somit ist artübergreifender Altruismus eigentlich nichts Besonderes oder Seltsames, wenn man als Betrachter nicht die Scheuklappen "Selektionsnachteil" aufsetzt.

Zu deinen restlichen Punkten später.
Re: Phillipa Foot - Die Natur des Guten
11. March 2006 11:20
kos schrieb:

> Anscheinend gibt es allerdings Ausnahmen, aber die
> Gründe dafür lassen sich meistens auch woanders
> finden, so dass diese Ausnahmen nicht mit letzter
> Sicherheit dem Altruismus zugeschrieben werden
> können.

Zu den markantesten Beispielen gehört der Wachdienst, den viele Säugetier- und Vogelarten kennen. Der Wachdienst setzt das wachehaltende Individuum einem hohen Todesrisiko aus, ausserdem kann es die Zeit nicht zur Nahrungsbeschaffung nutzen. Es handelt sich also um einen grossen Selektionsnachteil. Der Wachdienst wird verrichtet, obwohl die Gruppe das weder belohnt noch erzwingt und einzelne Egoisten, die sich davor drücken, nicht bestraft. Es ist also ein klassischer Fall altruistischen Verhaltens. Wenn dagegen eingewendet wird "Wachdienst dient aber der Gruppe und dmit allen ihren Mitgliedern, also auch dem Wächter", so antworte ich, dass das eine theoretische Ueberlegung ist, von der der einzelne Wächter, der ins Gras beisst, nichts hat.

Ersetzt man daraufhin die Vorstellung des Individualegoismus durch die des Gruppenegoismus, so löst sich am Ende der Gedankengang samt beiden Begriffen, Egoismus und Altruismus, selbst auf. Es ist ein sprachlicher Trick. Das lässt sich am Beispiel des innerartlichen Altruismus bei homo sapiens zeigen. Wenn Individuum A gegenüber Individuum B altruistisch handelt, so betrachte ich einfach A und B als Gruppe, womit sich dann ihre gegenseitigen, zum Teil altruistischen Beziehungen restlos unter "Gruppenegoismus der Gruppe AB zwecks besseren Ueberlebens von AB" einordnen lassen. Damit kommt man natürlich immer durch. Am Ende landet man dann bei der Erkenntnis, dass ökologisch gesehen die Gesamtheit der Lebewesen in diesem Sinn eine Gruppe ist und der Altruismus deren Gruppenegoismus. Ob man das dann "Altruismus" oder "universalen Gruppenegoismus" nennen will, ist mir egal.
Re: Phillipa Foot - Die Natur des Guten
11. March 2006 11:30
Alldaris schrieb:
-------------------------------------------------------
> > Diese Individuen tierschutzgemäss zu
> behandeln
> > bzw. Verstösse strafrechtlich zu ahnden, ist
> für
> > den Menschen ein reiner Stör- und
> Kostenfaktor. Es
> > behindert die Forschung, weil bestimmte
> > Tierversuche nicht mehr möglich oder
> > genehmigungspflichtig sind. Was hat homo
> sapiens
> > davon, sich so zu behindern?
>
> Steigerung des Selbstwertgefühls?

Dieses Argument ist narrensicher. Nicht falsifizierbar, und erledigt alles. Wenn ein Mensch etwas tut, was er für richtig und konstruktiv hält, steigert das automatisch sein Selbstwertgefühl. Also kann schlechterdings immer argumentiert werden: Er hat es nur aus diesem Grund gemacht. Also müsste er, damit ein Einwand gegen das Argument möglich wird, sein Selbstwertgefühl vorsätzlich künstlich reduzieren, also eine Art Masochismus oder Selbstabwertung treiben. Da er dazu aber keinen Anlass hat, unterlässt er es. Womit der Altruismus widerlegt wäre - oder nicht?

Auf deine anderen, interessanten Punkte gehe ich später ein, muss jetzt leider weg.




Re: Motivation
11. March 2006 11:32
nwabueze schrieb:
-------------------------------------------------------

> Das würde Stirner, dem Konsequenz über alles ging,
> gar nicht gefallen...

Damit kann ich leben.

> ...Wenn versucht wird, dem
> introvertiertesten der europäischen Philosophen
> mit den Mitteln extravertierten Denkens zu
> begegnen, kommt das Urteil "Uebertreibung" heraus.
> Vom extravertierten Standpunkt aus stimmt das auch
> - nur gehört dieses Denken und dieses Urteil einer
> Welt an, die mit derjenigen, die Stirner meint,
> inkommensurabel ist.

Ja, genauso wie das hier:

[i]"Wenn das deutsche Volk sich nicht behaupten kann, so soll es eben unter gehen. Es kümmert mich nicht. Die, die am Ende übrig bleiben sind sowieso nur noch die Minderwertigen, denn die Guten sind gefallen!"[/i]

Nun, das ist nicht von Stirner, aber wohl ohne Zweifel Konsequenz bis zum Ende.
Ein bißchen zuviel Konsequenz für meinen Geschmack. Wieviele Menschen hätte man retten können wenn nur ein [b]einziger[/b] seine Fehler eingesehen und auf Konsequenz im Denken verzichtet hätte? Es wäre dann mit Sicherheit mehr übriggeblieben, als nur ein "aufgeblasenes Ich".

Das was [b]ich[/b] hingegen an Stirner lehrreich finde ist zum Beispiel folgendes:

[i]7 Aber seht doch jenen Sultan an, der für »die Seinen« so liebreich sorgt. Ist er nicht die pure Uneigennützigkeit selber und opfert er sich nicht stündlich für die Seinen? Ja wohl, für [b]»die Seinen«[/b] Versuch' es einmal und zeige dich nicht als der Seine, sondern als der Deine: Du wirst dafür, daß du seinem Egoismus dich entzogst, in den Kerker wandern. Der Sultan hat seine Sache auf nichts, als auf sich gestellt: er ist sich alles in allem, ist sich der Einzige und duldet keinen, der es wagte, nicht einer der »Seinen« zu sein.[/i]

Und hier trifft er voll ins Schwarze.
Er 'übertreibt' allerdings später, wenn er sich selbst zum Gott macht.
Hier hört meiner Ansicht nach der Spaß auf.



So, und zum Schluß mache ich jetzt mal eine Zusammenfassung dessen, was wir bisher über das Thema Altruismus gesammelt haben (mir wird das nämlich zu unübersichtlich hier... alle quatschen durcheinander).

Wir haben also festgestellt:
Altruismus lässt sich nicht beweisen, aber es gibt starke Indizien. Mit Altruismus ist hier ein Denken und Handeln [b]ohne[/b] Eigeninteresse, oder sogar ein Handeln welches dem Eigeninteresse stark zuwider läuft, gemeint. Bei der Definition von Altruismus und Egoismus muss dabei darauf geachtet werden, dass das Definitionsfeld eng genug bleibt, um ein Auflösen in "Wortspielereien" zu vermeiden. Desweiteren ist eine altruistische Handlung von einer altruistischen Motivation zu unterscheiden. Der Egoist kann durchaus altruistisch handeln, er tut es aber einzig und allein aus Eigennutz.

Anhaltspunkte für die Existenz eines Altruismus nach o.g. Definition sind zum Beispiel:

1.

- In der Tierwelt gibt es Verhalten, welches sich mit den herkömmlichen Begründungen des Handelns aus Eigeninteresse oder zur Stillung der eigenen Bedürfnisse nicht vollständig erklären lässt.
Hier wurden als Beispiele das Wachverhalten von z.B. Insekten (Bewachung des Baus), aber auch bei vielen Säugern und Vögeln, genannt.

- Auch Delphine retten Menschen, ohne das wirklich klar ist, warum sie das eigentlich tun.

Alle anderen Beispiele (Mutterinstinkt, Erhalt der Gruppe, Sozialverhalten zur Stärkung der Gemeinschaft usw.) halte ich für durchaus durch Eigeninteresse erklärbar.



2. Auch der Mensch legt Verhaltensweisen an den Tag, die nicht vollständig durch ein Eigeninteresse erklärt werden können. Hier wurden genannt:

- Tierschutz als artübergreifender Altruismus beim Menschen, und

in diesem Zusammenhang das

- Mitleid.


Hierzu würde ich gerne noch etwas sagen.
Mitleid als Motivation ist kein Altruismus. Wie der Begriff schon andeutet, leidet das Individuum mit einem anderen (ob innerartlich oder nicht), d.h. durch das "Sich hineinversetzen" wird in dem mitleidenden Individuum Schmerz ausgelöst.
Diesen Schmerz gilt es zu beseitigen, indem die Ursache, nämlich das Leid des anderen möglichst aufgelöst wird.
Ich kann hierin kein altruistisches Denken erkennen, sondern behaupte, hierbei geht es einzig und allein um die Beseitigung des eigenen Schmerzes, der durch anderes Leid ausgelöst wird.
Desweiteren ist die Intensität des Mitleids ausschlagebend für die Entscheidung ob überhaupt gehandelt wird. Das kann man leicht nachprüfen. Je näher (im Sinne des Verwandschaftsgrades oder ähnliches) das leidende Individuum dem Mitleid empfindenden individuum ist, desto stärker ist die Motivation des Mitleidenden dieses Leid zu beenden, und damit den eigenen Schmerz zu beseitigen.

Der allgemeine Schmerz, den fast jeder Mensch empfindet, aufgrund der Situation in der er sich befindet (der Natur ausgeliefert sein, Tod , Krankheit usw), führt ebenso zu einer Art der Auflehnung gegenüber diesen Zuständen. Diese Auflehnung gipfelt in der Wissenschaft und Medizin (ist ein Arzt ein Philantroph?), aber drückt sich auch im Sozialverhalten des Menschen aus. Man identifiziert sein eigenes Leid (ausgelöst durch unänderbare Zustände) mit dem der anderen Menschen.
Eine bessere Welt ohne Leid schaffen zu wollen ist die Konsequenz aus diesem Denken, welches praktiziert wird durch diverse altruistische Akte.
Auslöser für dieses Handeln ist aber meiner Ansicht nach auch hier wieder ein Eigeninteresse, nämlich in der Art, dass das Individuum sich der Zustände erwehrt um letztlich, [b]selbst[/b] in einer Umgebung zu leben, die es für schmerzfreier hält. Motivationen für angeblich altruistische Handlungen die sich auf das Mitleid beziehen, sind also immer auf die Beseitigung des durch das Mitleid verursachten Schmerzes hin ausgelegt.
Durch das gleiche Prinzip liessen sich auch beobachtbare altruistische Akte im Tierreich erklären, vorrausgesetz man könnte nachweisen, dass Tiere zu Mitleid fähig sind.

Anmerkungen, Ergänzungen, Berichtigungen?









---
gruß,
Alldaris


... und wenn am Ende alle Stricke reissen, dann häng ich mich auf!

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11-mal bearbeitet. Zuletzt am 11.03.06 12:59.
kos
Re: Phillipa Foot - Die Natur des Guten
11. March 2006 17:26
Zwischengequatsche:

Der sogenannten Wächter >muss< Wache schieben, sonst wird er aus der Gruppe ausgestossen, und verendet elendlich. Ob das so ein gutes Beispiel für Altruismus ist?

Desweiteren ging es nwabueze, glaub ich, nicht darum, die Definitionsgrenzen für Altruismus möglichst eng zu halten, sondern im Gegenteil sie weit genug zu lassen, um in Zweifelsfall Spielraum zu haben (die Hühner werden ja eher abgeschlachtet, was soll`s?). Kommt man dann doch mal irgendwann durch Überlegungen dadrauf, dass Altruismus = Egoismus ist, so sind diese Überlegungen Wortspielereien (so wie Gruppenegoismus wahrscheinlich), und alles ist wieder schön.

Mitleid würde ich eher auf schlechtes Gewissen zurückführen (seien wir doch mal ehrlich -- die meisten Menschen sind so feinfühlig, wie ein Stück Holz), wobei Gewissen angelernte Verhaltensmuster darstellt, womit wir schon bei Ethik wären...
Och, nee, genug gequatscht.

Re: Phillipa Foot - Die Natur des Guten
12. March 2006 22:20
kos schrieb:
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> Der sogenannten Wächter >muss< Wache
> schieben, sonst wird er aus der Gruppe
> ausgestossen, und verendet elendlich. Ob das so
> ein gutes Beispiel für Altruismus ist?

Da muß nach Arten differenziert werden. Gute Beispiele bieten diejenigen Fälle, wo der Wachdienst nicht von allen abwechselnd ausgeübt wird, sondern einzelne egoistische Individuen sich ihm entziehen, ohne daß die Gruppe das bestraft. Die wissenschaftliche Literatur dazu habe ich im Moment nicht zur Hand, kann ich aber gerne raussuchen, falls es interessiert. Ist aber nicht im Netz, sondern nur auf Papier.

> Desweiteren ging es nwabueze, glaub ich, nicht
> darum, die Definitionsgrenzen für Altruismus
> möglichst eng zu halten, sondern im Gegenteil sie
> weit genug zu lassen, um in Zweifelsfall Spielraum
> zu haben (die Hühner werden ja eher
> abgeschlachtet, was soll`s?).

Ich möchte die Definition so weit fassen, daß der Begriff noch mit Beobachtungen sinnvoll in Beziehung gesetzt werden kann, d.h. daß nicht schon von der Definition her alle denkbaren Beobachtungen durch das Raster fallen. In letzterem Fall liegt nämlich ein Zirkelschluß vor, indem zwecks Bestreitung des Altruismus die Definition so gewählt wird, daß sie auf nichts mehr paßt oder nichts mehr verifizierbar oder falsifizierbar ist. Ein Eigeninteresse ist ja bei jeder Handlung oder Unterlassung von vornherein notwendig gegeben (sei es auch nur der mit der Handlung verbundene Zeitaufwand), und wenn ich Altruismus so definiere, daß er dann vorliegt, wenn zwingend bewiesen ist, daß das handelnde Individuum unter keinen Umständen irgendeinen positiven Effekt dabei erleben darf (nicht einmal ein angenehmes Gefühl), dann ist er eben unbeweisbar und damit inexistent. Nur ist das im Grunde ein Logiktrick.

Daher schlage ich vor, so zu definieren, daß Altruismus dann vorliegt, wenn gute Indizien für die Annahme sprechen, daß das Individuum anders gehandelt hat, als sich dies aus der Summe seiner egoistischen Motivationen ergeben hätte und tatsächlich in seinem Interesse läge, wenn nur solche Motivationen in Betracht kämen.