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Thema Tod

geschrieben von Alldaris 
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Thema Tod
09. February 2006 21:16
Ich würde gerne ein Tabu brechen.
Ich würde gerne von Euch wissen, ob ihr schon einmal im Leben jemanden verloren habt, wie ihr Euch dabei gefühlt habt, was Eure Gedanken dazu wwaren, und wie ihr selber das Thema Tod betrachtet und verarbeitet.

Ich weiss, das ist ein schwieriges Thema, und viele Menschen wollen daran nicht erinnert werden, aber vieleicht kann mir der eine oder andere dazu etwas sagen.

Vieles habe ich hier ja auch schon rausgehört, wie zum Beispiel die religiösen Ansichten vom leben nach dem Tod und dem Gericht nach dem Tode.

Vieleicht gibt es aber noch andere, unkonventionelle Vorstellungen?


---
gruß,
Alldaris


... und wenn am Ende alle Stricke reissen, dann häng ich mich auf!

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Re: Thema Tod
10. February 2006 02:50
Hi
Freundin von mir hat mit 18 Selbstmord gewaehlt. Damals konnte ich das ueberhaupt nicht verarbeiten. 2004 ist meine Schwester gestorben. Das war auch extrem uebel.
2005 ist mein Vater gestorben.Sicherlich haben die meisten hier damit Erfahrung.
Der Tod ist eigentlich was ganz natuerliches. Naja bis man selber betroffen ist.

Zum einen ist dann ein Mensch fuer immer nicht mehr da. Es bleiben aber wenigstens die Erinnerungen.
Zum anderen wird einem klar, dass alles Dasein, auch das Eigene, nur auf eine relativ kurze Zeit beschraenkt ist. Das ist auch ein Trost.
Denn irgendwie ist es ja auch gut so. Wer will schon ewig leben ?

Damit reduziert sich alles auf eine Frage der Zeit !
Bei meiner Jugend-Freundin stand ein Schild am Friedhofsausgang. "Auf Wiedersehen" :-) ...
Soll man darauf hoffen ? Waere das sinnvoll, ueberhaupt wuenschenswert ?
Oder sind wir nur winzige kleine Zahnraeder in einem viel zu grossen, fuer uns zu komplexen System. Wir erfuellen nur einen uns ubekannten Zweck ?
So wie eine Ameise einen Zweck erfuellt.
Was passiert mit einer Ameise wenn jemand darauf tritt ?
Was wird mit der Erde passieren. Auch sie wird einmal nicht mehr da sein.
Fuer mich ist das fast genauso schlimm wie die Vorstellung selber sterben zu muessen.

Heim hat eine recht genaue Vorstellung anhand seines mathematischen Modells, welche Vorgaenge ablaufen koennten, wenn man stirbt.
Folgende eher bildliche Darstellung hatte ich hier schon einmal reinkopiert:

<ZITAT>
Der Persönlichkeitskern spiele als Organist auf dem biologischen Körper (Orgel) eine Symphonie, die (wie auf einem Tonträger) im Geist mitgeschnitten wird. Nach dem letzten Akkord erhebt sich der Organist (Beginn des Todes) und überträgt die Symphonie unter Verwendung von Filtern auf eine Schallplatte. Im postmortalen Zustand reflektiert er über diese beliebig reproduzierbare Symphonie.
Die Symphonie ist einmalig, jedoch kann der Organist sie variiert erneut spielen. Wesentlich ist nur, dass zwar die Symphonien als Metapher für das Leben einmalig und vergänglich sind, nicht dagegen jedoch der Organist, der sich an diesen Symphonien weiter entfaltet.
</ZITAT>

Heim hat diesem Thema ein ganzes Buch gewidmet mit dem Titel "Postmortale Zustaende." Auszuege daraus finden sich auch im "Grundriss der Heimschen Theorie"
Wer an dieser Stelle esoterisches Geplauder erwartet wird sicherlich enttaeuscht werden. Heim fuehrt die Thematik mathematisch mit einer assoziativen mehrwertigen Logik ein. Sicherlich keine Fuzzy Logik, sondern wie immer abgehobene Mathematik.
Der ganze Vorgang scheint nicht weniger komplex wie die Bildung von Elementarteichen. Zwischen den Zeilen kann man vielleicht doch einiges allgemeinverstaendliches herauslesen.
Heim sieht den Lebensweg eines Menschen vorskizziert. Abweichungen von diesem Idealweg schlagen sich in sogenannten Residuen (Restgliedern) in dessen Seele
wieder. Man kann diese vielleicht mit nichtverarbeiteten traumatischen Ereignissen
interpretieren. Je mehr man von diesen Residuen im Leben angesammelt hat, desto beschwerlicher wird die Uebergangsphase. Selbiges sagt vielleicht auch der Lieblings-Satz meiner Tante aus: "Das letzte Hemd hat keine Taschen."
Das Einfamilienhaus, Auto in der Garage, Bankkonto, muss also hierbleiben :-)
So gesehen, sollte man im Leben sich schon damit vetraut machen, dass die Einstellung "Haben Haben Haben wollen" final dazu fuehrt, dass man am Ende nur um so mehr loslassen muss.
Zu lernen Abschied nehmen zu muessen, scheint mir etwas recht prinzipielles.
Gewaltsamer Tod verschaerft diese Angelegenheit. Noch schlimmer sieht es fuer Selbstmoerder und ganz fatal fuer Selbstmordattentaeter aus.

Warum? Falls unser Persoenlichkeitskern ueberlebt :
Warum sollten sich dann bisherige Konflikte in Luft aufloesen ?
Und ganz uebel,ich kann aktiv nichts mehr dazu beitragen die Konflikte zu loesen !
Wers glaubt .. wird in dem Fall net selig :-)

Heim geht davon aus, dass besagter Persoenlichkeitskern nach einer Uebergangsphase schliesslich wieder eine Art Bewusstsein erlangt. Natuerlich in einer ganz anderen Welt. In den imaginaerwertigen Dimensionen. Vielleicht so eine Art Spiegelwelt.
Die physikalischen Dimensionen x1..x4 sind nun nicht mehr zugaenglich.
So wie ich es verstehe, scheint es vielleicht in dieser Welt die Moeglichkeit zu geben einen Einblick in die "Parallelweltdimensionen x5..x8" nehmen zu koennen.
Vielleicht meint Heim dies mit seiner Metapher von ECCLES.
Vielleicht koennen wir nachtaraeglich Variationen auf unserer Lebensorgel spielen.
Variationen in dem Sinne, wie waere unser Leben verlaufen, wenn wir oder andere
Entscheidungen anders gefaellt haetten. Um daraus zu lernen ?
Das waere fuer mich eine recht troestliche Vorstellung.
ciao



43-mal bearbeitet. Zuletzt am 10.02.06 16:05.
Re: Thema Tod
10. February 2006 02:55
Da du ausdrücklich nach unkonventionellen Vorstellungen fragst, habe ich dir die unkonventionellste herausgesucht, die ich finden konnte. Sie ist selbstverständlich rein subjektiv und so wenig diskutierbar wie, sagen wir, ein Gedicht von Hölderlin oder Rilke. Es ist einfach nur eine ausschließlich auf subjektiver Erfahrung fußende unkonventionelle Vorstellung, nicht mehr und nicht weniger als das.

"Die Freude ist grenzenlos, das Herz ist ein kleines Stück Materie. Die Freude wächst ins Unendliche, das Herz bleibt so groß wie es war. Wie kann das Begrenzte das Grenzenlose umfassen? Eines Tages muß es zerspringen. Das ist der Tod."
Re: Thema Tod
10. February 2006 14:39
Hi Alldaris,

ich kann zwar mit dem Wort "verloren" in Deiner Frage nicht viel anfangen, weil man den- oder diejenige ja nie "besessen" hat, aber ich habe schon eine ganze Reihe von Menschen zu Grabe tragen müssen: zwei Großväter, zwei Großmütter, einen Großonkel, eine Großtante, meinen Vater und einen Freund, der mit 40 Selbstmord beging.

Was habe ich dabei empfunden? Trauer, Mitleid, ein gewisses Gefühl von Einsamkeit, das auch durch die Anwesenheit anderer Trauernder nicht gemildert wurde.

Oftmals begegnen mir die Verstorbenen in meinen Erinnerungen. Insbesondere mein Vater meldet ich in mir immer wieder zu Wort, um mir - wie schon früher auch - zu sagen, wie ich etwas machen soll oder wie ich es seiner Ansicht nach gemacht habe. Damit meine ich nicht, dass mir sein Gesit erscheint - andererseits: wer kann es wissen?

Aber weißt Du, was komisch ist: am meisten weinen mußte ich, trotz aller verstorbener Verwandter, als ich meinen an Leukose erkrankten Kater zum Einschläfern gebracht habe. So sehr er unter seiner Krankheit gelitten hat, so sehr habe ich mich dafür geschämt, ihm nicht besser helfen zu können: ich war doch sein großer Meister.

Noch heute, gerade jetzt, wo ich dies schreibe, kommen mir die Tränen wieder hoch. Der Gedanke an den Tod meines Vaters im Alter von "nur" 61 Jahren nimmt mich nicht annähernd so mit; hier bin ich vor allem dankbar, dass er so lange bei mir war, bis ich ohne ihn konnte.

Was nach dem Tod kommt? Ich weiß es nicht. Alls ist möglich. Schau 'mer mal, dann sehn mir schon.

Grüsse

Grägar

P. S.: Herzliches Beileid zum Tod Deines Vaters.
Re: Thema Tod
13. February 2006 20:53
Ich danke Euch für Eure ehrlichen Antworten.
Auch wenn sich das blöd anhört, weil dadurch ja nichts ungeschehen gemacht wird; Es tröstet immer zu hören, dass man mit dem Leid nicht alleine ist.

Wegen des Todes meines Vaters habe ich die letzte Zeit sehr viel auch über den eigenen Tod nachgedacht.
Einige von Euch empfinden die Aussicht auf ein Ende als tröstend, andere als erschreckend.
Mir persönlich geht es eigentlich nur darum, dass ich irgendwann, wenn es soweit ist, nicht lange leiden muss. Ich will nicht ewig dahinsiechen.
Aber eines macht mich auch traurig. So komisch sich das anhört, ich finde es schade, dass ich die ganzen großen Errungenschaften der Menschheit nicht mehr miterleben werde.
Richy sagte, dass wir eines Tages zu den Sternen aufbrechen werden.
Ich finde das faszinierend, und wäre gerne dabei. Wie gerne würde ich selbst einmal meine Füße auf einen anderen Planeten setzen. Vieleicht wird die Menscheheit eines Tages wirklich auf andere Lebewesen treffen?!
Aber all das geschieht so langsam, viel zu langsam für ein Menschenleben.
Diese Tatsache, dass ich sterben werde bevor die Menschen das erreichen, macht mich schon ein wenig wehmütig.

Aber es gibt auch Dinge auf diesem Planeten, von denen wird es mir nicht schwer fallen Abschied zu nehmen.


---
gruß,
Alldaris


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Re: Thema Tod
14. February 2006 08:25
Ach Alldaris,

wieso wünschst Du Dir so sehr, eines Tages andere Lebewesen zu treffen?

Ich treffe jeden Morgen welche, im Berufsverkehr, und glaube mir: ich wünschte, ich träfe sie nicht.

Oder meintest Du andere Lebenformen? Auch die treffe ich jeden Ta, bei mir zu Hause: Spinnen, Fliegen, Mücken, Silberfischchen. Naja, Du kannst Dir vielleicht vorstellen, wie ich mich über die freue.

Aber bei Außerirdischen soll mir das Herz aufgehen? Ich hab ja schon Schwieirgkeiten, mit neu zu kommunizieren.

Ne, ne, ming Jong: Außerirdische gehören auf die Leinwand, basta!

Grüsse

Grägar
kos
Re: Thema Tod
14. February 2006 14:20
Es geht nicht ums Außerirdische, es geht um die Neugier. Ich würde auch gerne wissen, wie es so mit der Menschheit weitergeht. Entwickeln wir uns weiter, oder gehen wir alle drauf? Oder verharren auf der Stelle?
Es gibt noch vieles zu entdecken, sowie Schlechtes wie auch Gutes. Wenn ich tot bin, kann ich das nicht tun, und das ist schade. (Alters?)-Zynismus hin oder her.
Re: Thema Tod
14. February 2006 19:33
AHA! Ich halte mal fest:
kos hat genau verstanden was ich meine, was also beweist, dass das Problem nicht bei mir liegt.

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Alldaris


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Re: Thema Tod
15. February 2006 03:12
> Es geht nicht ums Außerirdische, es geht um die
> Neugier. Ich würde auch gerne wissen, wie es so
> mit der Menschheit weitergeht. Entwickeln wir uns
> weiter, oder gehen wir alle drauf? Oder verharren
> auf der Stelle?
> Es gibt noch vieles zu entdecken, sowie Schlechtes
> wie auch Gutes. Wenn ich tot bin, kann ich das
> nicht tun, und das ist schade. (Alters?)-Zynismus
> hin oder her.

Die Neugier ist natürlich gut verständlich, aber vielleicht sollte man die Prämisse dieser Überlegung hinterfragen. Die Prämisse nämlich, daß du der Zuschauer bist, der vor seinem Fernseher sitzt, in tiefstem Frieden wie sich's gehört, bestens abgesichert durch seinen Job oder seine (sichere) Rente, und nun das Welttheater verfolgt und vom Nachrichtensprecher mitgeteilt bekommt, ob wir "uns weiterentwickeln oder alle draufgehen" - vielleicht hat man sogar mit den Freunden Wetten abgeschlossen, was das Ganze noch spannender macht. Das Welttheater als Fußballspiel, das man nicht vor dem Abpfiff verlassen möchte.

Es gibt aber auch andere zumindest theoretisch denkbare Szenarien. Beispielsweise:
- die EU verwandelt sich aus vorwiegend demographischen Gründen in einen islamischen Staat mit allem was dazugehört. Bürgerkrieg zwischen Sunniten und Schiiten, die sich nur in dem einen Punkt einig sind, daß Nichtmuslime absolut nichts zu sagen haben. Wem das nicht paßt, der kann auswandern - ist dann aber natürlich seinen Job bzw. seine Rente los und muß irgendwo betteln, Aufnahme zu finden. Neugierig?
- Abermillionen arbeitslose Jugendliche driften in die Kriminalität ab, greifen überall Passanten an und zerstören alles, was nicht militärisch oder von privaten Sicherheitsdiensten rund um die Uhr gesichert ist. Die Polizei ist zahlenmäßig hoffnungslos unterlegen, demoralisiert und machtlos. Die Gegenden, wo Reiche wohnen, werden zu Festungen ausgebaut. Neugierig?
- die meisten Staaten der Dritten Welt und einige terroristische Bewegungen sind nuklear bewaffnet und setzen ihre Waffen gegeneinander ein, vor allem präventiv, damit der Todfeind nicht zuerst zuschlägt. In den Medien gibt's täglich Ratschläge, wie man sich gegen Strahlung ein wenig schützen kann. Neugierig?

kos
Re: Thema Tod
15. February 2006 09:10
Ja, neugierig. Bin halt ein Optimist. Die Zukunft war noch nie gewiß, soll ich mir jetzt die Kugel geben, weil der böse Wolf aus dem Wald kommen könnte? Selbst, wenn er kommt, will ich vielleicht wissen, wie er aussieht.

Ne, ne, diese Prämisse, von der du sprichst, ist nicht auf meinem Mist gewachsen. Einem Fussbalspiel zuzuschauen fand ich schon immer langweilig, erst das Mitspiel vermittelt Spaß. Oder Schmerz. Aber auf jeden Fall Erfahrung.