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Chaostheorie und Pädagogik?

geschrieben von Sir Raphael 
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Chaostheorie und Pädagogik?
01. January 2006 03:40
Hallo,
im Zuge meines Studiums der Diplom-Pädagogik muß ich mich mit der Frage auseinandersetzen, wie sich die Chaostheorie auf die Pädagogik anwenden läßt. Trotz intensiver Suche nach Literatur und Internetinhalten bin ich nicht wirklich fündig geworden. Deshalb hoffe ich hier in diesem Forum Antworten zu finden.
Danke im Vorraus!
Re: Chaostheorie und Pädagogik?
02. January 2006 18:47
Hallo Sir Raphael,
ist Pädagogik nicht grundsätzlich Chaos in Theorie?
Nun ernsthaft, was brauchst Du?
Re: Chaostheorie und Pädagogik?
02. January 2006 18:56
Na, wenn ich das selbst so genau wüßte. Grundsätzlich geht es darum, wie man Bestandteile der Chaos-Theorie im Bereich der Sozialwissenschaften, speziell in der Pädagogik auf wissenschaftlicher Ebene einbringen kann.
hoffe, man kann damit mehr anfangen.
mfg
Re: Chaostheorie und Pädagogik?
02. January 2006 21:09
Hallo Sir Raphael,
Na, dann bist Du schon einen Schritt weiter: Wenn Du alles genau wüßtest, warum solltest Du dann chaos-theoretisch forschen?
Freud und Jung, vielleicht generell Lehrer und Schüler dienen m.E. als beispielhaft perfektes Paar zur Veranschaulichung der Chaostheorie innerhalb der Sozialwissenschaften. Selbstverständlich gehört ein wenig Interpretation dazu. Zur Not: Oscar Wilde, in meinen Augen der Klassiker.
ccm
Re: Chaostheorie und Pädagogik?
02. January 2006 21:15
Ich würde ganz einfach auf das Grundparadigma der Chaostheorie hinweisen: Kleine Ursache, große Wirkung. Das lässt sich in den Sozialwissenschaften sehr einfach empirisch zeigen (Populationsrechnungen), aber sicher auch psychologisch oder pädagogisch näher aufzeigen.
Re: Chaostheorie und Pädagogik?
02. January 2006 22:02
Hallo Sir Raphael,
Empirie ist mir ein Greuel. Auch würden sich Freud und Jung im Grabe drehen ob der Postulation Deines "Grundparadigmas".
Um was geht es, eine Seminararbeit, Diplomarbeit, Doktorarbeit?
Re: Chaostheorie und Pädagogik?
02. January 2006 22:52
Hi Georg_Compes,
es geht bei mir nur um ein Referat in einem Seminar zu Wissenschaftstheorien. Also brauche ich nicht ganz soviel Stoff. Aber wenn ich erst mal fertig bin, habe ich wahrscheinlich genausoviel Arbeit hinter mir, wie für eine riesige Seminararbeit.
Wo kann ich denn am besten generelle Informationen über die Basics der Chaostheorie bekommen? Was wäre denn da zu empfehlen. Gibt es da gute Bücher, I-Net Seiten oder macht sich vielleicht jemand die Mühe und gibt mir jemand Nachhilfe?



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 02.01.06 22:56.
Re: Chaostheorie und Pädagogik?
03. January 2006 00:30
Mein Gott im Himmel, die brauchst Du doch gar nicht! Denk einmal für zwei Pfennig nach
Re: Chaostheorie und Pädagogik?
04. January 2006 19:07
Hi
Mir faellt dazu nur spontan ein, dass gewisse Vorgaenge sich eben nicht alleine durch analytische Vorgehensweise, d.h. zerlegen in kleine Teilprobleme loesen lassen.
Die Chaostheorie ist hierfuer meiner Meinung nach ein Paradebeispiel.Ein Teil des Prinzips hinter dieser Theorie laesst sich gewissermassen nur erahnen. Es lassen sich nur einzelne Puzzelstuecke zusammentragen. Goldener Schnitt, Fibonacci Zahlen, logistische Gleichung, Goedels Unvollstaendigkeitssatz, Binaere Logik, Fuzzy Logik ...
Alles Teile eines Puzzels, das wir letztendlich aber alleine mit dem Verstand nicht zusammensetzen koennen. Vielleicht finden sich auch deshalb hier viele Beitraege, die man eher in der Rubrik Philosophie einordnen koennte.Fuer ein Forum der Chaostheorie halte ich auch solche Beitraege gerechtfertigt.In den Wissenschaften gibt es immer noch die strenge Einteilung Geistes und Naturwissenschaft.Die Chaostheorie zeigt,dass diese Abgrenzung nichtimmer sinnvoll ist. Ich wuerde es mal sogar so ausdreucken, dass die Grenze beider Telgebiete von fraktaler Gestalt ist. So koennte man die Chaostheorie selbst vielleicht nicht nur als Metha Wissenschaft sondern auch als geistliche Naturwissenschaft oder natuerliche Geisteswissenschaft bezeichnen.
Ohne Geisteswissenschaft wie Mathematik koennten wir die Natur nicht beschreiben.
Wir koennen ja ueberhaupt die Dinge an fuer sich nur abstrakt beschreiben. Dabei wird aber auf der anderen Seite auch gerne vergessen, dass wir dazu nur in der Lage sind weil wir physikalische Wesen sind.
Mathematik wird zwar oft so behandelt als sei es eine rein geistige Wissenschaft, aber ohne einen physikalischen Traeger kann sie auch nicht existieren.
Ich finde Goedels Unvollstaendigkeitssatz zeigt sehr schoen, dass eine abgeschlossene rein geistige Logik eben auch nur ein Wunschbild ist.
Chaostheorie laed so gesehen gerne zum philosophieren ein, aber dabei sollte man auch nicht so weit gehen, dass man dabei die Dinge vergisst die nun wirklich analytisch erfassbar sind. Und das sind die meisten Dinge in unserer technisierten Welt.
Einen grossen Fortschritt sehe ich auch darin, dass Chaostheorie inzwischen zum Schulstoff gehoert.
ciao
richy


Hallo Sir Raphael,

ich bereite zur Zeit ein Forschungsprojekt zu diesem Thema vor. Falls Du Hilfe brauchst (sofern das überhaupt noch aktuell ist). Ein Tipp kann ich Dir aber schon mal geben: In der systemisch-ökologischen Pädagogik von Huschke-Rhein wird auch dieses Thema auch behandelt (da gibt es mehrere Bände zu. Sicher steht etwas in Band !).
Re: Chaostheorie und Pädagogik?
08. April 2006 08:57
Uwe Fahrenholz schrieb:

>
> ich bereite zur Zeit ein Forschungsprojekt zu
> diesem Thema vor. Falls Du Hilfe brauchst (sofern
> das überhaupt noch aktuell ist).

was ist das denn für ein forschungsprojekt ? ich überlege nämlich, ob ich chaostheorie und erziehung als magisterarbeitsthema mache. ich habe aber noch nicht so eine klare vorstellung, wie genau. die idee kam beim popkornessen.

birgit



Uwe Fahrenholz schrieb:

Hallo Birgit,

das würde jetzt ein wenig zu weit führen, das hier zu erklären. Du kannst mir aber gerne mailen, dann kann ich Dir einen 15-seitigen Forschungsantrag zumailen, der das Projekt beschreibt (und sich zum Abkupfern für die Magisterarbeit eignet :-)
Bezüglich Pädagogik / Soziologie gibt es m.E. zwei Arten der Sozialkompetenz hinsichtlich Chaos / Nichtchaos/Kybernetik:

Person A besitzt folgende Art sozialer Kompetenz: Verhinderung von Chaos, also regulativen Eingriff in sein Umfeld, um dieses dem Chaos zu entziehen, zu kybernetisierenn, und seinem Willen gemäss gestaltbar zu machen. Man könnte diese Art Sozialkompetenz Herrschaftskompetenz nennen.

Person B erfasst intuitiv die Wirkungsweise des Chaos, und kann darin agieren: Attraktoren ausbilden, Selbstähnlichkeitseffekte nutzen. Sie weiss intuitiv um Selbstähnlichkeit, hat also die Überzeugung: Wenn ich etwas Gutes tue, dann verbessere ich das Gesamtsystem, auch, wenn es chaotisch, unübersichtlich ist. Sie vertraut auch und vor allem auf die (chaostypische) Selbstorganisation der Individuen, und nimmt daran teil. Man könnte diese Art der Sozialkompetenz Demokratiekompetenz nennen.

Diese beiden Konzepte (A und B) stehen im Widerstreit. Es ist der uralte Kampf zwischen Tyrannei und basisdemokratischer Selbstorganisation. Ich bin für B.

Leider droht das Chaos immer wieder in Kybernetik umzukippen, dann nämlich, wen tyrannisch gesinnte Leute vom Typ A ihre kybernoide Herrschsucht einbringen. Der Sozialdarwinismus (Recht des Stärkeren) im Kindergarten kommt also nicht von der chaotischen Situation im Sandkasten, sondern von kybernetischen A- Einflüssen schlecht erzogener Kinder.
In einer Gesellschaft muss man also (wiederum kybernetische) Mechanismen haben, die das Recht des Stärkeren (Mafiastrukturen) verhindern. Deswegen hat das Modell des Anarchismussses sich nie richtig in der Praxis durchgesetzt: Es braucht einen Staat und eine Verfassung mit Gewaltenteilung, Kontrolle gegen Korruption etc., um Mafiastrukturen zu verhindern. Erst, wenn die meisten Bürger so reif sind, diese Funktionen selbstorganisiert zu übernehmen (soziale Verteidigung etc.), ist das Chaos perfekt, und wir können endlich Anarchie haben. Aber Utopien sollte man immer misstrauen. Dazu wiederum mein Wahlspruch: Unbedingt ausprobieren, aber voorsichtig!