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Kausalität

geschrieben von Olli 
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Kausalität
19. October 2001 11:53
Ich habe für die Schule ein Referat vorzubereiten und muß nun herausfinden, was "Kausalität" bedeutet! Kann mir vielleicht jemand eine Definition oder so liefern?

Danke Olli S.
Re: Kausalität
20. October 2001 17:28
Mal sehen ob Dir das folgende weiterhilft:



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Kausalität

Philosophie und Physik
der angenommene gesetzmäßige Zusammenhang zwischen zwei aufeinander folgenden Ereignissen, von denen das eine (frühere) die Ursache und das andere (spätere) die Wirkung genannt wird. Nach dem Kausalitätsprinzip kann es keine Wirkung ohne Ursache geben. Für I. Kant war das Kausalitätsprinzip a priori, d. h. vor jeder Erfahrung gültig und notwendig zur Ordnung unserer Erfahrung. Für D. Hume stellte es lediglich eine ungerechtfertigte Verallgemeinerung unserer Gewohnheit dar, Ereignisse in Abhängigkeit voneinander zu sehen.

In der modernen Wissenschaftstheorie, insbesondere im Neopositivismus, ersetzt man das Kausalitätsprinzip zumeist durch einen funktionalen Zusammenhang, der die Ereignisse miteinander verbindet, ihre Aufeinanderfolge aber nur beschreibt und nicht erklärt. Zwischen Ursache und Wirkung kann nur noch im Rahmen eines bereits von J. S. Mill gefundenen Prinzips der Veränderung unterschieden werden: Veränderungen an der Ursache beeinflussen zwar die Wirkung, Veränderungen der Wirkung lassen die Ursache hingegen unbeeinflusst.

Der Gedanke strenger Kausalität setzt die genaueste Kenntnis der Ursache voraus, aus welcher die Wirkung erschlossen werden soll. Die genaue Kenntnis dieser Ursache scheitert aber sowohl an praktischen, experimentellen Gegebenheiten als auch an (möglicherweise prinzipiellen) Einschränkungen durch die aus der Quantenmechanik bekannte Heisenberg\'sche Unschärferelation. Diese fordert zumindest im atomaren Bereich eine prinzipielle und tatsächliche Einschränkung der Genauigkeit der ein Teilchen bestimmenden Größen (wie Ort und Geschwindigkeit). Es ist deshalb (z. B. von H. Reichenbach) vorgeschlagen worden, die strenge kausale Verknüpfung durch eine wahrscheinlichkeitstheoretische zu ersetzen. Auch die neuere Chaostheorie, nach der schon kleinste Ursachen unvorhersehbare (große) Auswirkungen haben können, schränkt den Geltungsbereich der Kausalität ein.
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wichtig scheint hier auch Herr \"Werner Heisenberg\" mit seiner Unschärferelation zu sein:

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Mithilfe dieser Vorstellungen war es möglich, alle beobachteten Gesetzmäßigkeiten im mikroskopischen Bereich zu erklären und auch den Ausgang von geplanten Experimenten vorauszusagen. Ein für die Wissenschaft wichtiges Prinzip ging aber verloren: die Kausalität: Sie besagt, dass eine Ursache immer eine ganz bestimmte Wirkung hat. Durch Heisenbergs Unbestimmtheitsrelation wurde das Wissen von Ort und Geschwindigkeit beschränkt und damit auch die Voraussage der Wirkung im mikroskopischen Bereich beeinträchtigt. Wendete man die neuen Gesetze aber auf große Stoffmengen an, wie sie in der makroskopischen Physik üblich waren, zeigte es sich, dass die entsprechende Unschärfe so klein wurde, dass sie praktisch vernachlässigt werden konnte. Das Prinzip der Kausalität war also nur im mikroskopischen Bereich verletzt, nicht im makroskopischen.

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Beides kann so auf www.wissen.de nachgelesen werden.

Was für ein Referat machst Du denn?`


Gryße


ccm.
Re: Kausalität
20. October 2001 17:32
Und hier noch aus dem Brockhaus:

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Kausalität [mlat. causalitas >Ursächlichkeit<] die, -/-en, Bez. für das Bedingungsverhältnis von Ursache und Wirkung. Dabei sind Ursache und Wirkung korrelativ aufeinander bezogen: keine Ursache ohne Wirkung und keine Wirkung ohne Ursache. Das kausale Aufeinander-bezogen-Sein ist vom Logischen der Folgerung und vom Zeitlichen des Aufeinanderfolgens zu unterscheiden: Folgt B aus A im Sinne der Logik, so kann der empir. Gehalt von B nicht größer sein als derjenige von A (im Unterschied zum kausalen Bedingungsverhältnis); zwei zeitlich aufeinander folgende Ereignisse A und B können völlig unabhängig voneinander sein. Kausalität gibt Antworten auf die Frage >Warum?<; sie ist abzugrenzen gegen die Begriffe Zufall und Notwendigkeit. Die klass. Definition von >Ursache< (und damit von Kausalität) geht auf D. Hume zurück: >Eine Ursache ist ein Gegenstand, der einen anderen zur Folge hat, wobei alle dem ersten ähnliche Gegenstände solche, die dem zweiten ähnlich sind, zur Folge haben.<
Die ersten umfassenderen Untersuchungen über das Verhältnis der Kausalität finden sich bei Aristoteles im Rahmen seiner Analyse der vier (von der Scholastik später auf sechs erweiterten) Ursachearten (Causa). Für die weitere Diskussion wurde die Wirkursache (lat. causa efficiens) bes. wichtig. Sie ist es, die die neuzeitl. Naturwissenschaft zum universellen Erklärungsmodell (ganz deutlich etwa im Mechanismus) erhebt. Die anderen Ursachen, insbesondere die für die aristotel. Physik zentrale Zweckursache (lat. causa finalis), werden von der beginnenden Neuzeit als unwissenschaftlich verworfen. Das Kausalprinzip (>nichts geschieht ohne Ursache<), das als Anwendung des Satzes vom zureichenden Grund auf die Natur anzusehen ist, wird zum Leitgedanken der Naturwissenschaft, der seinerseits den Determinismus nahe legt. Daneben tritt als zweite wichtige Aussage das Kausalgesetz (>gleiche Ursachen zeitigen gleiche Wirkungen<), dessen Geltung alle Naturgesetze der klass. Physik voraussetzen (>Prinzip von der Verlässlichkeit der Natur<). Beide Prinzipien lassen sich sowohl ontologisch-realistisch - Kausalität ist etwas, das tatsächlich in der Natur stattfindet - als auch methodologisch-nominalistisch - Kausalität ist eine vom Beobachter gestiftete Gesetzmäßigkeit - interpretieren. Einen entscheidenden Schritt in die zweitgenannte Richtung leistete Hume mit seiner Kritik an Induktion und Kausalität. Nach seiner Ansicht lässt sich Kausalität nicht erfahrungsgemäß rechtfertigen, da sie selbst die Grundlage aller Erfahrung bildet. Ihre Wurzeln liegen vielmehr in der Gewohnheit. Diese lässt sich auch nicht, wie der Rationalismus meinte, theoretisch durch Verstandesprinzipien begründen. Die >Verlässlichkeit der Natur< ist vielmehr eine Art von Arbeitshypothese, die sich allerdings bewährt hat.

I. Kant hat den humeschen Gedanken aufgegriffen und ihm eine transzendentale Wendung gegeben: Kausalität ist eine Kategorie, ein reiner Verstandesbegriff, der nur auf Erscheinungen anwendbar ist und Erfahrung erst ermöglicht (>Bedingung der Möglichkeit von<). Demgegenüber hält der Materialismus (insbesondere der dialektische) an einer realistischen Interpretation der Kausalität fest.

Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jh. wurden innerhalb der Physik im Rahmen der >statistischen< Thermodynamik streng kausale Aussagen zugunsten statistischer aufgegeben. Allerdings war damit noch keine Aufgabe des Kausalitätsprinzips verbunden: Die kausalen Verhältnisse (etwa zw. den Molekülen eines Gases) lassen sich zwar wegen der ungeheuer großen Zahl der in die Betrachtung einzubeziehenden Teilchen nicht exakt erfassen, werden aber dennoch als existent angenommen. Tiefer greifende Umwälzungen im Verständnis von Kausalität brachten die Relativitätstheorie (Ereignisse können nur mit Ereignissen aus einem bestimmten Bereich des Raum-Zeit-Kontinuums kausal verknüpft sein und keineswegs mehr mit allen ihnen zeitlich vorangehenden, wie das die klass. Physik vorsah) und v. a. die Quantenmechanik. Letztere geht zwar noch davon aus, dass Wirkungen Ursachen haben. Aber es wird nicht mehr angenommen, dass Erstere aufgrund der Beobachtung von Letzteren immer vorhersagbar seien. So lässt sich durch Beobachtung eines radioaktiven Atomkerns prinzipiell nicht voraussagen, wann dieser zerfallen wird.

Auch in der modernen Mathematik im Rahmen der >Chaostheorie<, wo (kleine) Änderungen unvorhersehbare (große) Wirkungen hervorrufen können, muss das traditionelle Kausalitätsdenken aufgegeben werden. Die Wissenschaftstheorie des 20. Jh. hat den Kausalitätsbegriff mit Hilfsmitteln der Wahrscheinlichkeitsrechnung, der Logik, der Sprachanalyse und der Handlungstheorie zu rekonstruieren versucht. Der wahrscheinlichkeitstheoret. Ansatz, der u. a. von P. Suppes vertreten wird, stellt den Begriff der bedingten Wahrscheinlichkeit in den Vordergrund. Das zeitlich spätere Ereignis W ist eine kausale Folge des früheren Ereignisses U, wenn die bedingte Wahrscheinlichkeit w(U |W ) größer ist als die absolute Wahrscheinlichkeit von W. Das Eintreten von U erhöht also die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten von W.

Handlungstheoret. Vorstellungen, die hauptsächlich auf G. H. von Wright zurückgehen, stellen dagegen den Vorgang des (absichtl.) Verursachens - und damit wieder die aristotel. Zweckursache - in den Vordergrund. Kausalität ist Ausdruck eines Wissens um Bewirken- und Verfügenkönnen. In letzter Zeit wurde versucht, diese Auffassung mithilfe spieltheoret. Begriffe zu präzisieren. Sprachanalytisch orientierte Untersuchungen stellen den Begriff der kausalen Erklärung, der seinerseits entweder nomologisch-deduktiv (Hempel-Oppenheim-Schema) oder statistisch aufgefasst wird, in den Vordergrund. Kausalität ergründen bedeutet dann, die Wahrheitsbedingungen solcher Erklärungen zu formulieren. Ein anderer Ansatzpunkt für sprachanalyt. Forschungen ist die Definition von Kausalität mithilfe der kontrafakt. Aussage >Wenn U nicht stattgefunden hätte, wäre auch W nicht geschehen< (zweite Kausalitätsdefinition von Hume).

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Re: Kausalität
28. November 2001 18:51
<HTML>Wichser</HTML>
Re: Kausalität
28. November 2001 19:49
<HTML>Einen freundlichen Umgangston habt Ihr da an der Uni Tuebingen!


ccm :o)</HTML>
Re: Kausalität
19. February 2003 20:56
Kann mich jemand ueber den kausalen Zusammenhang zwischen Caspars mail und GAMAX Aussage aufklaeren *fg
Re: Kausalität
20. February 2003 11:59
Vielleicht können wir jetzt mal wieder zum Thema zurückkehren.

Sehr bedauerlich, daß Olli S. bisher noch nicht verraten hat, für welches Fach sein Referat bestimmt ist. Dadurch sind alle anderen gezwungen, zum Thema: "Was ich alles über Kausalität weiß" zu reden.

Ich z.B. bin Jurist und könnte alleine auf diesem Gebiet ganze Bände zum Thema Kausalität füllen. Naja, lassen wir die Kirche im Dorf: andere Juristen haben zu diesem Thema bereits Bände gefüllt, aus denen ich bei Bedarf abschreiben könnte.

Jetzt nur soviel: Warum interessieren sich Juristen für Kausalität? Gegenfrage: Was ist die Lieblingsausrede aller ertappten Sünder? Ich war das nicht!

In unserem Strafrecht gilt die Unschuldsvermutung, nach der ein Verdächtiger/Beschuldigter/Angeschuldigter/Angeklagter so lange als unschuldig zu gelten hat, bis seine Schuld bewiesen worden ist (zum besseren Verständnis: Schuld bedeutet in diesem Zusammenhang "individuelle Vorwerfbarkeit des Tuns"). Und der erste Schritt des Nachweises der Schuld ist nun einmal zu zeigen, daß er es doch war; denn war er es nicht, ist er auch nicht schuld.

Ausgangspunkt ist daher die sog. strenge Kausalität, die sich wohl mit der von CCM angeführten 2. Kausalitätsdefinition Humes deckt. Wir nennen sie lateinisch "Conditio sine qua non", übersetzt, "Bedingung, ohne welche nicht" - vollständig: kausal ist jede Bedingung, welche nicht hinweggedacht werden kann, ohne daß der Erfolg entfiele (zum besseren Verständnis: Erfolg meint hier den Eintritt einer strafrechtlich unerwünschten Folge, z. B. den Tod eines Menschen).

Bleiben wir gleich beim Mord: Der A schießt auf den B und trifft ihn; B verstirbt. Hätte die Mutter des A diesen nicht geboren, so wäre B zwar auch gestorben (denn sterben müssen wir alle), aber nicht an dem Schuß des A. As Mutter ist damit ursächlich für den Mord an B, und zwar genauso kausal wie A selber, denn weg ist weg und da ist da (will meinen: wenn ich As Mutter hinwegdenke, wäre B kein bißchen weniger nichttot, als wenn ich A selber hinwegdächte).

Deshalb ist sie aber noch lange nicht daran schuld - genausowenig, wie der Fabrikant der Schußwaffe. Wieso aber nicht, obwohl sie doch kausal für den Erfolg waren, das verrate ich erst dann, wenn Olli S. sagt, daß ihm das bei seiner Frage weiterhilft.

Na, habe ich mir jetzt auch ein "Wichser" verdient?

Grüße

Gregor