Willkommen! Anmelden Ein neues Profil erzeugen

Erweiterte Suche

Chaos in Politik und Entwicklung

geschrieben von maegashira 
In diesem Forum können zur Zeit keine Beiträge verfasst werden. Bitte versuche es später noch einmal.
Chaos in Politik und Entwicklung
24. March 2004 20:38
Hallo Leute,
also ich muss ein Vortrag zum obgenannten Thema ausarbeiten, deswegen würde ich mich freuen falls mir jemand ein paar gute Gedanken zu diesem Thema geben kann. Websites sind natürlich auch sehr hilfreich, aber ich denke dass , falls hier so ´ne Art Diskussion entsteht, ich einige interessante Gedanken mit in den Vortrag aufnehme.
Also bis jetzt hab ich schon ein paar Dokumente und so dazu, bin mir aber noch nich ganz über den Zusammenhang von POLITIK und CHAOS im klaren.
Auf einer Site wurde politisches Chaos mit dem Begriff Anarchie definiert, jedoch denke ich, dass auch in anderen politischen Systemen (Demokratie etc.) das Chaos vorhanden ist, da auch diese "offene" Systeme darstellen, wie z.B. das Wetter. Ich hoffe das klingt a bissl logisch, denn darauf wird mein Vortrag wahrscheinlich aufbauen.
So viel bis hierhin, ich bedanke mich schon jetzt für eure Beiträge zu diesem Thema. Bis Denn
Hallo Maegashira,

netter Nickname.

Erst mal eine Verständnisfrage: was meinst Du genau mit Entwicklung?

So allgemein, oder physiologisch? Psychologisch oder doch eher photographisch?

Wenn Du die Frage eingrenzen würdest, könnten wir Dir vielleicht eher helfen.

Was die Politik angeht: im Grunde genommen kann man jede Wahlentscheidung chaostheoretisch deuten. Gewinnt die eine Partei, wird sich die Politik künftig soundso gestalten, gewinnt eine andere Partei, eben anders: eine klassische Bifurkation.

Vorhersagen kann man den Wahlausgang auch nicht, und wie Spanien neulich oder das Oderhochwasser bei uns gezeigt haben, können schon punktuelle Änderungen in den Umweltbedingungen erheblichen Einfluß auf die Entscheidung gewinnen.

Dann hättest Du auch einen aktuellen Bezug für Deine Arbeit.

Grüße

Grägar
Re: Chaos in Politik und Entwicklung
27. March 2004 14:31
Hallo Grägar,
vielen Dank für deine Antwort, sie enthielt schon mal viele nützliche Anrrgungen. Mit Entwicklung meine ich übrigens hauptsächlich Entwicklungspolitik. Und was Spanien angeht, frage ich mich ob der Anschlag gezielt auf den Ausgang der Wahlen wirken sollte, denn wenn ja würde man theoretisch solche Wahlen durch gezielte Änderungen der "Startbedingungen" beeinflussen bzw. vorherbestimmen können und somit würde doch auch eine starke Kausalität vorherrschen, oder?
Auf der anderen Seite haben wir ja das Beispiel des amerikanischen Wahlkampfes zur Zeit. Dort versuchen alle Kandidaten diese "Anfangsbedingungen" zu ihren Gunsten zu verändern, mit mehr oder weniger Erfolg... doch egal wieviel Geld George Bush investiert, sollte er keine Rechtfertigung für den Krieg finden, wird er wahrscheinlich bei den Wählern keine Chance mehr haben (sollte man zumindest meinen), also führt ein dummer Fehler (Irak Krieg) dazu dass er seinen Wahlsieg vergessen kann. Ein weiteres Beispiel für starke Kausalität? oder nur eine Intermitenz?

Und hast du schon mal was von der Zyklentheorie der internationalen Beziehungen gehört, falls ja würde ich mich über ne Website zum dem Thema freuen.

Grüsse Maegashira!

Hallo Maegashira,

so einfach war das mit der Spanienwahl nicht.

Natürlich kann keiner in die Köpfe aller Wähler sehen, nicht einmal nach einer Wahl; aber nach allem, was man hört, ist das Debakel nicht zuletzt auf die voreilige ETA-Beschuldigung durch Aznar zurückzuführen ist. Und wer hätte das voraussehen können?

Wenn Du was zu Chaos in der Entwicklungspolitik haben willst, fällt mir auf die Schnelle nur eines ein, nämlich das regelmäßige Fehlschlagen von Projekten wie Wüstenbegrünung o. ä.. Das wird aber normalerweise unter Kybernetik abgehandelt, hat allerdings chaotische Züge (verstärkende Rückkoppelung).

Da gibt es ein nettes kleines Taschenbuch von rororo science zu; ich glaube, es heißt Die Logik des Mißlingens.

Die Zyklentheorie ist mir unbekannt.

Grüße

Grägar
Re: Chaos in Politik und Entwicklung
29. March 2004 14:02
Zyklentheorie der internationalen Beziehungen ...
... da faellt mir spontan nur Schwinezyklus ein. :-)

In dem wird periodisches Verhalten durch Verzoegerung verursacht.
einfach mal "Schweinezyklus" googeln
ciao
richy
Re: Chaos in Politik und Entwicklung
31. March 2004 19:46
Danke Richy für den tip mit dem Schweinezyklus, da gabs einiges interessantes, aber das ist doch eigentlich ein Beispiel für die linearität von Systemen oder? Also nich so Vorteilhaft wenn ich genau das Gegenteil zeigen soll. trotzdem danke.
Um nochmal auf die Wahlentscheidungen zurückukommen, ist es so, dass man die Bifurkationskurve die in dem seltsamen Attraktor endet (wir haben Sie beim Thema Populationswachstum kennengelernt, abgebildet in Briggs u. Peat "die Entdeckung des Chaos" S.85), mit den in unserer Geschichte getroffenen Wahlentscheidungen vergleichen kann? Wenn ja stellt sich dann jedoch auch die Frage, wie weit sind wir vom seltsamen Attraktor entfernt?
Ist es dann logisch zu sagen, dass die Globalisierung einen großen Schritt in Richtung seltsamer Attraktor war? Sowohl politisch als auch ökonomisch?
Kennt ihr ansonsten vielleicht noch eine Website oder so über Chaos in der Wirtschaft?

Danke und bis denn!
Man sollte den Wahlentscheidungen nicht zuviel Bedeutung für die künftige Richtung der Politik einräumen; ich habe sie nur deshalb erwähnt, weil sie sich so gut als Beispiel eignen.

Wahlentscheidungen werden zum Teil aufgrund der von den Kandidaten abgegebenen Wahlversprechen getroffen, zum Teil aufgrund der Erfahrungen, die die Wähler mit den Kandidaten oder ihren Parteien in der Vergangenheit gemacht haben, und zum Teil leider auch völlig irrational.

Andererseits werden auch Politikentscheidungen nur zum Teil aufgrund der in der Vergangenheit abgegebenen Wahlversprechen getroffen, zum Teil auch aufgrund der sogenannten Sachzwänge, und zum Teil leider auch irrational.

Die Wahlversprechen einer Partei sind also weder für die Wahlentscheidung noch für die sich anshließende Politik ein verläßlicher Indikator.

Politik wie Geschichte verzweigen sich vielmehr mit allem, was geschieht. Der 11.09.01 hat sicherlich mehr zur Änderung der internationalen Politik beigetragen als irgendeine Wahl der letzten 5 oder 10 Jahre.

Umgekehrt gibt es Vorgänge, die sich durch keine Wahl verhindern, allenfalls verzögern lassen.

Ich tendiere daher zu der Ansicht, daß das politische Taghesgeschehen insgesamt nur Indikatorenfunktion für die eigentlichen Ursachen hat.

Die Globalisierung z. B. ist ja selber kein Programm, sondern Ergebnis eines konsequenten Fortdenkens der Idee des Kapitalismus; und der Kapitalismus westlicher Prägung ist eine Kompromiß aus reformatorischem und katholischem Glauben (von den Reformierten stammt die Idee, daß Erwerbsarbeit Gottesdienst sei und finanzieller Erfolg Gottes Anerkennung ausdrücke, von den Katholen der Barmherzigkeitsgedanke des Sozialstaats).

Natürlich kann man immer weiter graben. Wie kamen die Christen zu diesen Ideen, und wieso sind wir Christen? Und wieso denken selbst die christlich, die sich selber nicht für gläubig halten?

In immer größeren Maßstäben betrachtet zeichnen sich immer klarere Muster ab. Das darf uns aber nicht zu der Annahme verleiten, es gäbe auch eine Zwangsläufigkeit. Letztendlich ist die Realität kein Beweis für die apriorische Unmöglichkeit alternativer Verläufe.

Wer kann schon sagen, ob Leben auf Kohlenstoff basieren muß? Vielleicht hat auch hier nur der Zufall Regie geführt, und eine x-beliebige Nachkommastelle variiert wären wir alle denkende und fühlende Steine (Horta läßt grüßen)? Ob wir dann auch Christen geworden wären?

Grüße

Grägar
Chaos steht allgemein für turbolentes Systemverhalten anstelle von geordnetem Systemverhalten.

In diesen Turbolenzen können aber "Selbstähnlichkeiten" nachgewiesen werden.

Ein gutes Beispiel ist der chaotische Verlauf von Revolutionen mit ihren Mustern. (so Wechsel mit Kontrarevolution, etc.)